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Donnerstag, 31. Dezember 2009

An die Leser

Im Schnitt hab ich zwischen 30 und 50 Seitenaufrufe am Tag.

Für mich ist das richtig viel. Ich war lange unschlüssig ob es so die richtige Entscheidung war, alles so offen zu schreiben, manches ist mir peinlich (wie die Probleme die ich in der Wohnung hab), vieles ist einfach schwer zu erklären - aber meistens frag ich mich einfach nur, wie andere das alles interessieren kann.

Im realen Leben gehe ich mit meinen Problemen recht offen um (wobei die Wohnung da eher weniger offen ist) - einfach auch, weil es anders nicht geht: ich bin nun mal einfach anders und grade die Ängste machen vieles für mich halt schwierig. Dann lauf ich auch noch mit Krücken rum, was grade im Winter deutlich mehr aufzufallen scheint als im Sommer. Ich falle auf und werde beäugt und habe für mich da herausgefunden, dass es einfacher ist, wenn ich dann einfach sage, was los ist - da sind auch die anderen meist froh darum - sie können mich dann eher einordnen (auch wenn ich dann oft in Schubladen lande, in die ich eigentlich nicht will, doch hier erspar ich mir dann auch eine Menge Ärger, denn mit diesen Leuten muss ich mich ja nicht abgeben).

Da ich schon viele viele Jahre online Tagebuch schreibe (und noch länger eben für mich) - ist das Schreiben selbst nicht so das Neue - aber ich hatte immer sehr darauf geachtet, dass es eben niemand lesen kann. Diesen Schritt zu gehen und das eben sozusagen für jederman zugänglich zu schreiben - ist für mich ein großer gewesen.

Ich dachte auch, dass ich dann sehr zensieren würde - und stelle fest: mach ich nicht. Natürlich gibt's keine großen Details aus der Therapie, doch die kann ich - wenn es mir wichtig ist - an anderer Stelle notieren.

Dieser Blog - es fühlt sich richtig an - und ich bin überrascht, dass es doch so viele gibt, die hier mitlesen. Für andere mögen das kleine Zahlen sein, aber hey - für mich ist die Vorstellung von 30 Leuten echt viel. Ich hätte nicht gedacht, dass überhaupt jemand hier lesen wird (weil was soll an mir schon interessant sein? ;-) ) - es war ein Versuch - und wie gesagt: es fühlt sich richtig an.

Deshalb möchte ich mich heute bei euch bedanken - und hoffe ihr schaut wieder mal rein :-)!



Danke!
Kommt gut ins neue Jahr - möge es besser sein als das letzte - und wenn es nur ein kleines bisschen ist!




Samstag, 14. November 2009

Schubser

Einen kleinen Schubser hab ich mir gestern gegeben in Hinsicht: offensiver sein.

Eine mail geschrieben, eine unerwartete Reaktion bekommen und mir daraufhin einen weiteren Schubser gegeben.

Muss keiner verstehen, ist mehr für mich notiert.

Aber die Konsequenz ist: ich werde mich bemühen regelmässiger zu schreiben

Fragen

Offensiv damit umzugehen, dass man psychisch krank ist, ist schwer.

Das liegt nicht mal so sehr an Vorurteilen, sondern viel mehr daran, dass Menschen, die nicht betroffen sind (und oft genug auch Betroffene) zu wenig Informationen haben.

Es gibt unzählige Erkrankungen und jede Erkrankung zeigt sich bei jedem einzelnen wieder anders.

Nachfragen ist immer eine "heikle" Sache, es gibt Menschen, da ist es kein Problem, für andere jedoch ist es ein Riesenproblem, weil sie ihre Grenzen noch nicht so recht abstecken können. Das gilt für alle Beteiligten.

Darf ich da nachfragen? Trete ich da nicht zu nahe? Ist das zu persönlich/zu peinlich?
Was wenn der nicht antworten will oder auch, wenn grade das wieder etwas auslöst?

Da gibt es auch keine Regeln für, denn es ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Für mich kann ich sagen:
  • ich kann "Stopp" sagen, wenn mir etwas (auch eine Frage) zu viel wird
  • ich kann auch sagen, wenn ich etwas nicht beantworten will
  • mir persönlich sind Fragen lieber - denn dann gibt's keine Missverständnisse (die Vorraussetzung dafür ist, dass ich dann eben auch Stopp sagen kann, was ich erst nach vielen Jahren erlernt hatte)
  • ich kann Grenzen setzen und auf mich achten, auch wenn mein Gegenüber da eher "unsensibel" ist
  • ich möchte aufklären und darüber reden

Das alles waren und sind Gründe warum ich diesen Blog angefangen hab, und das alles waren und sind Gründe, warum ich auffordern möchte: Frag bei mir nach, wenn dir etwas unklar ist oder du etwas wissen möchtest!

Die Möglichkeit dafür ist hier gegeben: hinterlasse einen Kommentar (wenn der nicht veröffentlicht werden soll, einfach im Kommentar dazuschreiben) und ich werde mich bemühen ehrlich und soweit mir möglich zu antworten - jeweils in einem neuen Blogeintrag.

Kommentare schalte ich erst frei - in der Regel innerhalb von 24 Stunden-

Wer keinen Kommentar schreiben möchte kann mich auch an mailen:

alles-nur-psychisch [at] gmx.de

Samstag, 22. August 2009

Impressum

Von Frau Kuni mit ihrer Genehmigung (vielen Dank!) übernommen:

In diesem Blog verarbeite ich nur "unkritische" und persönliche Inhalte, also keine unseriösen, gesetzwidrigen, pornographischen oder Ähnliches. Der Blog dient keinem gewerblichen Zweck. Ich distanziere mich ausdrücklich – wie es der Gesetzgeber fordert – von allen Links von und zu anderen Seiten.

Um Missbrauch vorzubeugen möchte ich darauf verzichten, meine Anschrift hier zu veröffentlichen. Wer – aus welchen Gründen auch immer – daran interessiert ist, meine Anschrift zu erfahren, kann sie gerne unter

alles-nur-psychisch [at] gmx.de erfragen.

Dienstag, 4. August 2009

Warum ..

... schreib ich das alles hier.

Die Erfahrungen zeigen, sobald ich sag(t)e, ich sei psychisch krank - gehen die Menschen auf Abstand. Sie wissen das nicht einzuordnen, mit umzugehen, es bereitet auch Unbehagen und macht manchmal sogar Angst.

Wenn ich jemand kennenlerne - sei es in einem Chor oder ähnlichen - kommt bald die Frage "was machst du denn beruflich so?"

Früher hab ich mich rausgeredet mit "früher hab ich als .... gearbeitet" usw. Denn zu sagen "ich bin Frührentnerin" irritierte nur - viele trauten sich nicht mal nachzufragen (abgesehen von den "wie hast du denn das hinbekommen?-Fragen mit dem Tonfall von "super - verrate mir den Trick bitte").

Dann hab ich mich hinter den körperlichen Erkrankungen "versteckt" - denn zu sagen "ich bin wegen psychischer Erkrankung in Frührente" treibt die Leute in der Regel in die Flucht.

Ich will offener damit umgehen und auch zeigen: nur weil ich psychisch krank bin, werde ich weder gleich meuchelnd durch die Gegend springen, noch darf mein Gegenüber nicht sagen was er/sie will (im Sinne von Verrückten soll man immer Recht geben).

Ich bin ein Mensch, mit Einschränkungen und Grenzen wie jeder andere auch - ich muss sicher mehr drauf achten, dass ich mich nicht überfordere, doch das ist MEIN Job - nicht der meines Gegenübers. Genauso wie ich von jedem anderen erwarte, dass er auf seine Grenzen achtet und sie mitteilt wenn ich tollpatschig drüberlatsche.

Dennoch - psychisch Kranke werden oft ausgegrenzt - und ich möchte hier meine Erfahrungen aufschreiben - um vielleicht den einen oder anderen auch mal zum Nachfragen anzuregen, wenn er/sie auf jemand trifft, der angeschlagen oder in ein psychisches Tief gerutscht ist - denn das kann jedem von uns passieren.

Wer

Ich heiße Ilana, bin 36 Jahre alt - und psychisch krank.

Das einzugestehen bedeutet in unserer Gesellschaft sich auszugrenzen. Sie packt einen in eine Schublade, die Leute reagieren vorsichtig bis abweisend.

Es ist schwierig Kontakte zu knüpfen - denn ich habe weder Familie noch Karriere vorzuweisen - und dennoch weigere ich mich, mich in irgendwelche Schubladen packen zu lassen.

Lange Zeit hab ich versucht die psychische Seite zu verstecken - das ging so weit, dass ich mich selbst vor der Welt versteckte.

Heute will ich mich nicht mehr verstecken und hier soll es um meine Erfahrungen gehen - als psychisch Kranke (die dazu steht) in unserer Gesellschaft.

Diagnosen

psychisch:
- schwere Posttraumatische Belastungsstörung mit
- Angst- und Panikstörung mit
- Sozialphobie
- dissoziative Zustände (wobei das heute - Gott sei Dank - nur noch selten auftritt) mit
- selbstverletzendem Verhalten (das hoffentlich für immer der Vergangenheit angehört)

körperlich:
- Fibromyalgie
- Arthrose in mehreren Gelenken (vor allem Knie)
- chron. Sehnenscheidenentzündung beider Handgelenke
(alle drei vermutlich im Zusammenhang mit der Hypermobilität der Gelenke)
- Schilddrüssenunterfunktion
- Restless-Legs-Syndrom
- chron. Harnwegsinfektionen, die häufig in Nierenbeckenentzündungen enden


Aufgrund der Diagnosen beziehe ich Erwerbsunfähigkeitsrente und haben einen Schwerbehindertenausweis mit 80 % und Merkzeichen RF.

Da ich keine Minute ohne Schmerzen lebe, hab ich auch eine eigene Schmerzskala - die findet man hier: Schmerzskala und Bedeutung

Psychische Erkrankung - was bedeutet das?

Es gibt ja unzählige psychische Erkrankungen und psychisch krank ist nicht gleich psychisch krank.

Deshalb werde ich mich hier auf die Erkrankungen beschränken, die mich betreffen.

Meine Diagnosen sind: schwere Posttraumatische Belastungsstörung mit Angst- und Panikstörrung, Sozialphobie, Dissoziative Störrung mit selbstverletzendem Verhalten

Seit vielen Jahren mach ich nun schon Psychotherapie - nach einigen - für mich schlechten - Therapieformen und Therapeuten hab ich seit etwa 10 Jahren nun durchweg sehr gute Therapeuten. Und ich habe schon sehr viel erreicht.

Die Ängste sind bei weitem nicht mehr so ausgeprägt und einschränkend, Selbstverletzendes Verhalten gehört (hoffentlich auch für immer) der Vergangenheit an, dissoziative Zustände sind nur mehr sehr selten (2-5 mal im Jahr) und auch nur noch in sehr "milder" Form.

Ich habe mittlerweile ein gewisses Selbstbewusstsein entwickelt, habe meinen Grenzen kennengelernt und vor allem zu wahren gelernt. So kann ich heute sehr gut "nein" sagen, wenn etwas über meine Kräfte geht.

Denn grade mit meinen Kräften muss ich sorgsam umgehen. Ich kann halt nicht so viel schaffen, wie ein Gesunder und es gibt Tage, da kostet es alle Kräfte nur aufzustehen, mich anzuziehen und mir was zu essen zu machen.

Das spielt sicher auch die Fibromyalgie mit hinein - doch auch ohne wäre ich immer noch weit weniger "leistungsfähig" als ein Gesunder.

Therapie kostet Kraft - es ist zwar "nur" Arbeit im Kopf und Körper - aber es ist sehr anstrengend. Nach einem EMDR-Termin bin ich streichfähig - nicht weil es mir nicht gut geht (ich komme damit ziemlich gut klar, sonst würde ich das ambulant nicht machen) - einfach weil die Arbeit so anstrengend ist, dass ich dann Ruhe brauche um wieder aufzutanken.

Das versteht kaum jemand. "Wieso - du sitzt da doch nur eine Stunde und unterhältst dich da" - ja das stimmt - nur dass ich mich nicht nur unterhalte, sondern es um schwierige Themen geht und es ein "eintauchen" in das Thema ist - mit Kopf und Körper. Es ist Schwerstarbeit. Mir das selbst einzugestehen fiel schon schwer - und ich erlebe es ja ständig - es jemanden klar zu machen, der das nicht selbst erlebt hat - ist denk ich kaum möglich.

Ich brauche deutlich mehr Rückzugsräume - also Raum für mich - ohne andere Menschen. Aber auch deutlich mehr Zeit für mich - um mich zu erholen, zur Ruhe zu kommen und dem Körper die Ruhe zukommen zu lassen, die er braucht, damit er nicht in Totalstreik treten muss nur weil ich wieder mal nicht drauf höre was er mir sagt - denn er sagt mir deutlich wann er Ruhe braucht.

Dinge die anderen leicht von der Hand gehen, die Alltag sind - sind für mich oft harte Arbeit. Ein Beispiel: ich mach mir eine Kleinigkeit zu Essen - esse dann - und - normalerweise - wäscht man dann halt schnell ab. Das geht an guten Tagen auch - aber es gibt auch Tage, an denen allein das mir etwas zu Essen machen und essen - so viel Kraft kostet, dass ich es kaum schaffe das Geschirr dann in die Küche zu bringen.

Das hat nichts mit wollen zu tun. In dem Moment geht es einfach nicht.

Das Wichtige dabei ist - einen Mittelweg zu finden - sich selbst nicht zu überfordern, aber auch nicht in ein "das geht eh nicht - also lass ich es gleich" zu fallen. Dran zu bleiben, zu probieren, jeden Tag, jede Stunde aufs Neue und unterscheiden zu lernen, wann es wirklich nicht geht und wann es nur der berühmte "innere Schweinehund" ist - den ich genauso habe wie jeder andere.

Allein dieses auseinander zu halten musste ich lernen - und das hat lange gedauert. Vor allem da ich zu den Menschen gehöre, die immer viel zu viel von sich verlangen. Ausserdem kann ich ganz schlecht ab, wenn meine Psyche oder mein Körper nicht so macht wie ich gern hätte. Die eigenen Grenzen auch wirklich zu wahren bedeutet sie auch zu respektieren (und ich arbeite noch am akzeptieren ;-) )

Ich glaube das macht es oft auch so schwierig - wie soll man anderen erklären wie das für einen ist, wenn man selbst da hadert. Es gibt eben nicht diese klaren Aussagen: das und das kann ich nicht. Denn es ist abhängig von Tagesform und um was es grad aktuell in der Therapie geht und wie man mit sich selbst grad klar kommt und und und. Und zu erklären warum ich an dem einen Tag alles ganz gut hinkrieg und am nächsten nicht mal die Grundsachen klappen - ist schwer.

Dabei gibt es genug körperliche Erkrankungen wo es oft ähnlich ist - und die haben auch nicht das Problem das dann zu sagen - dann ist es halt "die Erkrankung" und gut. Bei der Psyche fehlt da oft die Akzeptanz - an sich selbst und bei anderen.

Der Anfang ...

Meine Name ist Ilana - ich bin Mitte 30 und aufgrund einer psychischen Erkrankung in Frührente.

Aufgrund einer miserablen Kindheit habe ich eine schwer Posttraumatische Belastungsstörung mit Angst- und Panikstörung, Sozialphobie, Dissoziativen Zuständen und Selbstverletzendem Verhalten.

Seit vielen Jahren arbeite ich dran - mit Erfolg. Das Selbstverletzende Verhalten gehört der Vergangenheit an, die Dissoziativen Zustände sind äusserst selten (4-5 mal im Jahr und das nur in sehr leichter Form) geworden und auch die Ängste sind mittlerweile nicht mehr so massiv und einschränkend.

Trotzdem bin ich noch weit davon entfernt ein "normales Leben" leben zu können.

Ausserdem habe ich Arthrose in mehreren Gelenken und Fibromyalgie, bin daher leicht gehbehindert und bei längeren Strecken oder Treppen auf Krücken angewiesen.

Eine Freundin sagte kürzlich zu mir "sei froh - so kannst du was sagen, warum du nicht so kannst wie du willst" - das hat mich nachdenklich gemacht.

Sie hat recht - sehr oft hab ich mich dahinter versteckt - denn wenn man jemand kennenlernt kommt gleich die Frage "und was machst du so beruflich?" - früher hab ich dann mit "früher hab ich ...." geantwortet, denn mit jungen Jahren zu sagen "bin in Rente" fiel schwer. Dann hab ich durchaus die körperlichen Schwierigkeiten in den Vordergrund gestellt - das wird anerkannt und gut.

Zu sagen "ich bin psychisch krank und deshalb nicht in der Lage einem geregelten Berufsalltag nachzukommen" führt zur irritierten Blicken - die Leute werden vorsichtig oder gehen gleich auf Abstand.

Psychisch Krank zu sein ist ein Tabu in unsere Gesellschaft - wird als Makel empfunden und wirkt sehr abschreckend.

Aber ich will mich nicht mehr verstecken - und werde hier berichten - über die Reaktionen der Mitmenschen, die guten und nicht so schönen Erfahrungen mit dem offeneren Umgang mit einer psychischen Erkrankung.