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Dienstag, 9. Februar 2010

Mario

Ein kleiner Junge, 5 Jahre alt war er als er starb. 2 Jahre alt war er als ich ihn kennenlernen durfte - ich war damals 13 - und wir waren Seelenverwandte.

3 Wochen lang war er bei uns, da er aus seiner Familie wegen Verdacht auf Misshandlung rausgenommen und zu uns in Kurzzeitpflege kam. Der Vater hatte die Mutter beschuldigt.

Ein stiller, ruhiger Junge, der ganz langsam aufblühte und wenn ich in der Schule war, die ganze Zeit auf mich wartete und nach mir fragte. Abgesehen von der Schulzeit hab ich fast die ganze Zeit mit ihm verbracht - da war etwas zwischen uns - das ich niemals wieder erlebt habe - wir sahen uns in die Augen - und verstanden uns - obwohl er so klein war, so viele Jahre zwischen uns. Als würden unsere Blicke sich das erzählen, was sonst niemand sehen durfte, hören durfte, sehen wollte.

2 verletzte Seelen, die sich finden.

Nach drei Wochen kam er zur Mutter zurück - mit der Auflage, sich regelmäßig mit Kind vorzustellen und monatlichen Besuchen vom Jugendamt - und ich hörte nichts mehr von ihm - ein Kontakt wurde von meiner Mutter aus verboten.

3 Jahre später bekomme ich einen Anruf von meiner Chefin - ich arbeitete damals schon stundenweise für den Verein, der eben auch Mario betreut hatte.

Mario läge auf der Intensivstation - seine Mutter hätte ihn zusammengeschlagen und als er sich nicht mehr rührte vor der Tür abgelegt. Nachbarn fanden ihn und riefen den Notarzt. Sie waren umgezogen - ein anderes Jugendamt war zuständig und da gab es keine regelmäßigen Kontrollen mehr.

3 Wochen kämpfte er um sein Leben, die meiste Zeit nicht ansprechbar, da die Ärzte versuchten, ihn möglichst schlafend zu halten - damit er keine Schmerzen hätte - wurde mir erklärt. Offenbar war das sehr schwierig - und so war er manchmal doch wach. Er sprach nicht - doch seinen Blick werde ich nie vergessen.

Stundenlang saß ich an seinem Bett - einmal sagte er nur einen Satz:

"Warum hat mich niemand lieb?"

Doch er erwartete keine Antwort - er wandte den Kopf ab - und es sollte der einzige und letzte Satz sein, den er in der ganzen Zeit sagen sollte.

Nach drei Wochen auf der Intensivstation starb er - am 9. Februar, wenige Tage, nachdem er seine letzten Worte sprach.

Ich vermisse dich! Und ich wünsche dir von Herzen dass es dir jetzt gut geht und du die Liebe erfahren darfst, die du verdienst!

Samstag, 6. Februar 2010

ja ich weiß ...

... das ist nur eine Phase und Aufgeben kommt sowieso nicht in Frage usw usf.

Nichts desto trotz - es gibt Momente da mag ich einfach nicht mehr, da hab ich es schlicht satt zu kämpfen und möchte mich lieber treiben lassen - weil es in diesem einen Moment grade einfacher wäre - sollen doch die ganzen Dämonen, Geister und Widersacher gewinnen - Hauptsache ich muss wenigstens einen Moment mal nicht kämpfen müssen.

Und ja mir ist klar was das für Folgen hätte - aber auch das hab ich satt.

Aber auch da weiß ich, dass ich mich nicht gehen lassen kann, denn für diesen Moment würde ich wieder viele Monate zahlen - und der Preis ist zu hoch.

Also werde ich mich wieder mal dem Skillstraining zuwenden - und mir eine Auszeit nehmen und mir Gutes tun - auch wenn ich selbst das satt habe und da so gar keinen Bock drauf.

Samstag, 30. Januar 2010

Geister und Dämonen

Diese hier gelten immer noch.

Dazu kommen zur Zeit die Gefühle des Schmerzes - des Schmerzes des Kindes in der Situation, des ausgeliefert seins und der Fassungslosigkeit.

So im Alltag ist es aber oft auch einfach nur das Ruhebedürfnis - die Müdigkeit und das "Welt aussperren wollen", das Merken dass ich an einer Grenze bin und auch gut auf mich aufpassen muss.

Und so mancher Zweifel die sich einschleichen - ob ich es richtig mache - für mich - ob ich zu viel will und ob diese Frage tief aus mir kommt oder einer der Geister einflüstert.

Der Zweifel entscheiden zu können von wem die Sachen die mir durch den Kopf gehen kommen - wer davon sozusagen der "wohlmeinender Ratgeber" ist.

Freitag, 22. Januar 2010

Sie verdienen einen besonderen Schutz

Xavier Naidoo - Sie verdienen einen besonderen Schutz

diesmal mit Warnung - grade für Betroffene kann es sehr heftig sein dieses Video anzuschauen, es gibt eine ""softere"" Version hier - doch auch da gilt:

Passt auf euch auf!



Text:
Für was kann man ein Kind gebrauchen?
Es zu schicken, zu ficken
zu schlagen & zu taufen

Für was kann man ein Kind missbrauchen?
Es zu schicken, zu ficken
zu schlagen & zu taufen

Sie verdienen einen besonderen Schutz
denn ein Sinn für die Wahrheit
schlägt in ihrer Brust
Sie verdienen einen besonderen Schutz
siehst du nicht, dass ihr Leiden uns
besudelt & beschmutzt?

Sie verdienen einen besonderen Schutz
denn durch sie wird uns unsere Kindheit bewusst

Sie verdienen einen besonderen Schutz
reden wir von Missbrauch, reden wir von „Nutz“

Es war noch nie Unwort des Jahres, „Kindesmissbrauch“
Eine Schande ist & war es, im Land der Dichter & Denker geschah es
Die Sprache verroht wie die Menschen
und ich sah es

im vollen Ausmaß ist es schmerzlich & schwer
Welches Volk gibt schon freiwillig
seine Sprache her
Die Sprache wird leer
es muss ne Bildzeitung her
Denn die Menschen
verstehn ihre Worte nicht mehr

Sie verdient einen besonderen Schutz
denn auch sie hast du in deiner Kindheit benutzt
Sie verdient einen besonderen Schutz
siehst du nicht, dass ihr Leiden uns besudelt & beschmutzt

Sie verdient einen besonderen Schutz
nur durch sie wird uns unsere Kindheit bewusst
Sie verdient einen besonderen Schutz
reden wir von Missbrauch, reden wir von „Nutz“

Kinder können wohl eher uns gebrauchen
zum Rat geben
aufwecken, Klamotten einkaufen
Wo ist denn die Anleitung zum Kindesgebrauch
ist schon klar
auf der ganzen Welt werden Kinder „verbraucht“

Aber dass die deutsche Sprache sich auch daran berauscht
ist traurig & schade oder abgrundtief böse
Es wird Zeit
sich von diesem Sprachgebrauch zu lösen
Ich hau den Haken in die Öse
eurer Sprachverstöße

Sie verdienen einen besonderen Schutz
denn ein Sinn für die Wahrheit schlägt in ihrer Brust
Sie verdienen einen besonderen Schutz
siehst du nicht, dass ihr Leiden uns besudelt & beschmutzt?

Sie verdienen einen besonderen Schutz
denn durch sie wird uns unsere Kindheit bewusst
Sie verdienen einen besonderen Schutz
reden wir von Missbrauch, reden wir von Lust
Manchmal ist Text Kunst,
Gedicht oder Gericht
glaubt mir, ich kontrolliere das nicht
manchmal schreib ich
und die Wahrheit schlägt mir ins Gesicht
und verschont mich nicht
und verkürzt die Frist

Bis die Meinung der Masse
auf mich einbricht – auf mich eindrischt
Sie lieben mich nicht, ich liebe sie nicht
Was soll’s
wer will später den Kindern berichten
von Lügengeschichten, teuflischen Versen
mit Zuckerbeschichtung, bösen Gedichten
Wahrheit ist Licht & Schatten
beängstigend wie Ratten
die sich auf dich stürzen
bereit, dein Leben zu verkürzen

Doch diese Wahrheit führt uns an Licht
sie verdient einen besonderen Schutz
Und diese Kinder führn uns ans Licht
sie verdienen einen besonderen Schutz

Weise Worte führn uns ans Licht
sie verdienen einen besonderen Schutz

Und die Liebe führt uns ans Licht
sie verdient einen besonderen Schutz
Und unsere Sprache führt uns ans Licht
sie verdient einen besonderen Schutz

Sie verdienen einen besonderen Schutz

Montag, 18. Januar 2010

Fallangst neuer Stand

Knie ist in Ordnung (schon Ende letzter Woche), in der Wohnung lauf ich barfuß oder in Socken rum, denn Hausschuhe und ABS-Socken sind mir zu "rutschig" (ob das nun Einbildung ist oder tatsächlich so auf Laminat - keine Ahnung) - aber so geht es in der Wohnung mittlerweile wieder ganz gut - auch ohne Angst (ausschlaggebend war übrigens ein nächtliches Verdrehen, das mich zwar aufschrecken ließ, aber auch deutlich machte: Knie ist wieder ok - denn außer einem kurzen Verhaken war nichts).

Draußen sieht das ganz anders aus - auf festgetretenem oder festen Boden geht es - mit Spikes - aber immerhin. Wir haben hier leider auch ein paar Meter mit viel Schnee - so diesem in sich nicht Halt gebenden und weichem Schnee, der noch kein Matsch ist, aber die Füße wegrutschen lässt (eben weil der Schnee nachgibt) - das ist große Katastrophe - mit Schuh- und Krückenspikes und sehr sehr sehr viel Angst.

Ohne Spikes geht draußen gar nichts und auch ein großes Problem sind die Böden in Läden - denn die sind naß und für Spikes nicht geeignet - ganz und gar nicht lustig kann ich da nur sagen.

Wenn ich nach Hause komme ist es immer noch so, dass ich vor der Tür die Schuhe (mittlerweile samt Spikes, weil ich mir gar nicht mehr die Mühe mache die von den Schuhen abzumachen) ausziehe und dann drinnen auf eine Zeitung stelle - und dann mit kalten Füßen in die Wohnung zu laufen (wie gesagt - mit Socken rutscht man auf Nässe nicht so schnell).

Ich fürchte diese Angst wird mich auch noch eine Weile begleiten und im Moment hab ich auch keine Kapazitäten frei um daran zu arbeiten (und würde dann wohl eher mit den Hausschuhen anfangen - wobei die rutschen wirklich - sind so Hüttenschuhe ohne Ledersohle, sondern ABS-Socken-Stil, gab es kürzlich bei L.dl - mal sehen ob ich so Ledersohlen irgendwo bekomme um sie drannähen zu können).

Draußen hab ich bis Freitag immer noch das Knie zusätzlich bandagiert - das gab mir ein ganzes Stück Sicherheit, heute werde ich den ersten Versuch wagen, das ohne zu machen (und streite noch mit mir ob ich die Bandagen sicherheitshalber mitnehmen soll).

Die Wut nimmt zu - auf mich, auf die Angst, dass sie mich so im Griff hat und seit das Knie wieder ganz das alte ist - wird das noch mehr.

Dieses Wissen, dass ich da in einem alten Film ist, dass die Angst nichts mit der Realität zu tun hat, dass ich da völlig überzogen reagiere - und gleichzeitig zu merken, dass ich das schon weiß, mir das voll bewusst ist - und ich es dennoch nicht geregelt bekomme.

Dieses Gefühl, dass da irgendetwas von einem Besitz ergriffen hat und man hat keine Chance dagegen - außer dass man ununterbrochen ankämpft - jede Minute, jede Sekunde - damit es nicht noch mehr Macht gewinnt.

Dabei übersehe ich das Erreichte - es ist jetzt gut eine Woche her und ich überlege nicht mehr deshalb zu Hause zu bleiben, sondern gehe raus, kann mich in der Wohnung (mit kleinen Einschränkungen wie eben keine Hausschuhe oder Schuhe) gut bewegen, hab da auch keine Angst mehr - das war vor ein paar Tagen noch anders, da war jeder einzelne Schritt mit Angst gekoppelt), daß ich es geschafft habe mich davon nicht in der Wohnung einsperren zu lassen, sondern den Ängsten trotzen konnte und eben meine Termine wahrgenommen hab.

Ich war auch einkaufen - trotz der nassen Eingangsbereiche usw.

Doch all das ist nichts wert - weil ich wieder mal zu ungeduldig bin und wohl lieber über mich selbst ärger. Grummel.

Dabei ist Fakt: es wird besser, ich hab alle Vorgaben und Vorhaben erreicht (zumindest die realistisch gesteckten Ziele) - hab mir 2 Wochen gegeben, die noch nicht um sind - um in etwa das zu erreichen, was ich aktuell geschafft hab (naja - ich geb zu - es ist noch eher wackelig geschafft, aber ich hab ja noch ein paar Tage um das zu festigen).

Mittwoch wird es den nächsten großen Schritt geben: Phyiso: ob ich mich auf die Weichbodenmatte oder gar das Trampolin traue - im Moment dreht sich mir allein beim Gedanken der Magen um und ich hab Mühe zu atmen. Anvisiert war es noch nichtmal für diesen Mittwoch, sondern für nächsten - doch wir hätten diesen Mittwoch die Möglichkeit (und es ist unklar ob die Woche drauf auch diese Möglichkeit besteht).

Aktuell sollte ich wohl an der Wut arbeiten, denn die ist nicht grad hilfreich.

Die Angst ist da, sei begleitet mich nun schon mein Leben lang, die Fallangst auch schon gut 10 Jahre (mal überlegen - sind sogar 12 oder 13 jetzt). Unzählige Male musste ich wegen Verletzungen von vorne anfangen - dabei wurde immer deutlicher wie ich dabei vorgehen sollte um möglichst schnellen aber eben auch stabilen Erfolg zu haben.

Heute arbeite ich da viel verbissener dran als früher - einfach weil ich mehr Kraft habe und nicht sowieso in einer Situation war, wo die Angst und die Verzweiflung Überhand nahmen und es nur noch ums blanke Überleben ging - da ist so eine popelige zusätzliche Panik oder Angst nämlich echt unwichtig.

Aber ich habe heute auch viel weniger Geduld mit mir - vielleicht weil es mich einfach auch mehr einschränkt. Wenn man eh nur wie gelähmt in der Ecke sitzt und man sich versteckt und verkriecht - hat Rausgehen und etwas unternehmen oder gar sich etwas Gutes zu tun natürlich keine Priorität - ist noch nicht mal verlockend.

Von daher sollte ich mich freuen, zeigt es doch, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Freitag, 15. Januar 2010

Geister und Dämonen

Was sind es denn für Geister und Dämonen, die aktuell in mir rumspuken.

Zum einen geht es natürlich um die Missbrauch-Situationen - grade die, die wir aktuell auch aufgreifen. Ich kann sie immer wieder spüren - so als würde sie in diesem Moment passieren. Mittlerweile nicht mehr so geprägt von Schmerz, aber dennoch deutlich und klar.

Es geht aber auch um die Fassungslosigkeit, dass der Vaters, der meine einzige Bezugsperson war - eben auch eine andere Seite hatte.

Zwar weiß ich den Missbrauch schon lange, dennoch war es nicht mit Gewalt und Rohheit gekoppelt. Und es ging immer nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Doch plötzlich ist es eine Situation, in der er durchaus Gewalt an wand und Schmerz zufügte. Es ist etwas zerbrochen in mir. Und ich muß das Bild das ich von ihm hatte, revidieren.

Nur wenn er auch noch wegfällt - dann hatte ich niemanden mehr - und ich kriege die schönen Momente mit ihm nicht mit den anderen unter einem Hut.

Dann ist da meine werte Mutter, mit der mich nichts positives verbindet, die so gefangen in ihrer eigenen Welt war, dass sie niemand anderen sehen konnte.

Es tut einfach nur sehr weh.

Dann sind da die Stimmen: du taugst nichts, bist nichts wert, hast es so gewollt, weißt ja was zu tun ist, hast ja gefragt, usw. usw.

Und die Zweifel: das bildest du dir alles nur ein, das hätte doch jemand merken müssen (was wieder so manche - erfolgreiche - Vertuschungsaktion der Mutter in Erinnerung bringt), du warst ja ständig in der Klinik, die hätten doch was merken müssen usw. usw.

Es gibt die Begründungen und Erklärungen warum es eben niemand merken konnte, dass die Eltern da Hand in Hand gearbeitet haben und meine Mutter auch einer Kinderklinik, die sie nicht kannte, erklären konnte, warum die 10-jährige Pflegeschwester mit massiven Untergewicht keinesfalls essgestört sei, sondern wegen einer Salmonellenvergiftung so viel abgenommen hatte oder in der Schule erklärte, dass sie sich mit dem Verweigern vom Essen nur wichtig machen wollte - und zwar jedesmal erneut erfolgreich.

Es "reicht" nicht mal, dass der Vater es ja nie bestritten hat, zugab, dass da "was" passiert ist. Denn dieses "was" kann alles bedeuten - und nichts.

Ich kann meinen Gefühlen nicht trauen, der Körper verrät mich, denn er empfindet Dinge, die aktuell definitiv nicht stattfinden, wie kann ich erkennen, was von den Gedanken nun wirklich ist - und was die Dämonen von früher sind, das was mir eingetrichtert wurde?

Was macht man mit einer Vergangenheit vor der man eigentlich nur weglaufen möchte - und doch weiß, dass es nicht geht, weil sie einen immer und immer wieder einholt - oft genug in solch massiven Ausmaß, dass man Schwierigkeiten hat die Vergangenheit vom heute zu unterscheiden.

Was macht man damit, dass man sich selbst in den Staub treten will, weil man es nicht anders kennt - man Jahrzehnte in den Staub getreten wurde?

Wie soll man Vertrauen lernen, wenn man sich selbst nicht trauen kann und sich selbst so sehr hasst, dass man nicht verstehen kann, dass irgendjemand mit einem zu tun haben will - wie soll man vertrauen, dass mal jemand etwas ohne Hintergedanken macht?

Was macht man mit der Trauer, mit der Scham, der Hilflosigkeit und Ohnmacht, man eigentlich wütend sein will, aber alles was bei raus kommt ein wütend auf sich selbst sein ist? Und nicht zuletzt mit den Schuldgefühlen und der Schuld - wo auch immer sie hingehören mag?

Unzählige Male haben Menschen, die eigentlich Halt geben sollten, bewiesen, dass ich nichts wert bin, dass man mich benutzen kann wie man grad lustig ist und dass ich höchstens als Werkzeug zur Befriedigung perfider Gelüste zu dienen habe. Deren Stimmen sind die Geister und Dämonen.

Es ist verdammt hart denen etwas entgegenzusetzen, sie haben 35 Jahre Erfahrungswerte auf die sie zurückgreifen können, unzählige Beispiele und Verzerrungen, während ich erst seit einem Jahr versuche mich da gegen zu wehren und wenigstens mal zuzulassen, dass es die - wenn auch klitzekleine - Möglichkeit eben könnte, dass die vielleicht doch nicht recht haben könnten. Es ist unglaublich schwer, alte - eingeschworene - Verhaltens- und Denkmuster zu erkennen, aufzubrechen, zu überprüfen und dann aufzugeben.

Aber hey: niemand hat gesagt, dass das Leben einfach ist - und immerhin hab ich die Möglichkeit daran zu arbeiten.

egoistisch und ignorant

... bin ich zur Zeit.

Natürlich hab ich vom Erdbeben in Haiti gehört - und mich geweigert mich da weiter zu informieren, keine Nachrichten sehen oder hören und wenn irgendwas diesbezüglich kommt - schalte ich aus/um/ab.

Mir tun die Leute dort auch leid, doch im Moment hab ich genug mit mir und meinen inneren Dämonen zu tun.

Ich weiß, dass es meiner Freundin aktuell nicht gut geht und es tut mir sehr leid, aber ich schaffe es im Moment einfach nicht für sie da zu sein. Vor allem weil ihr ein "mal nur kurz fünf Minuten" nicht hilft. Ich denke viel an sie, bete für sie, aber mehr geht grade nicht.

Auch einer anderen Freundin geht es aktuell nicht grade prickelnd. Da kann ich noch nicht mal helfen - denn sie ist eher eine, die nicht erzählen will (kann ich sehr gut verstehen, geht mir ja auch so).

Viele Jahre bin ich immer nur gesprungen, wenn jemand Hilfe brauchte oder nur ein Ohr - ich war da - egal ob es drei Uhr nachts war oder ob ich anderes zu tun hatte - ich war der typische "Ja"-Sager - der auch ständig ausgenutzt wurde, auf den sich die Leute aber auch verließen.

War auch kein Problem, der Gedanke, dass ich auch Grenzen haben könnte, den gab es nicht - und wenn doch war klar, dass meine Grenzen eh uninteressant und unwichtig sind.

Heute gelingt es mir da schon sehr gut "nein" zu sagen und eben meine Grenzen zu wahren. Natürlich wäge ich dennoch ab - so springe ich als Babysitter ein, wenn die Mutter nur über die Toilette hängt - auch wenn ich grad nicht die Energie und die Kraft für ein Kleinkind über habe - während ich ihr abgesagt hätte, wenn sie schnell zum einkaufen gemusst hätte (und ich weiß wie froh man auch da über einen Babysitter sein kann).

Zur Zeit muß ich häufiger "nein" sagen - was mir vor allem für meine Freundin leid tut. Sie weiß, dass ich Zeit für mich brauche und mich eben zurückziehe, wenn alles zu viel wird - und dass ich da schon auf mich aufpasse - auch um dann für sie wieder mit neuer Energie da sein zu können. Aber ich weiß auch, dass sie die Schuld bei sich suchen wir. Egal wir oft wir das "durchkauen" und ich ihr sage, dass es mit ihr nichts zu tun hat.

Da ist es manchmal dann hart für mich zu sagen: das ist dein Bier, da mußt du für dich dran arbeiten, ich kann dir nur sagen, wie es für mich ist und dazu stehe ich, genauso wie es auch hart ist da mir zu sagen, dass sie damit selbst klar kommen muss, dass ich im Moment die Prioritäten anders setzen muss und eben auf mich schauen - und mich nicht von ihren Schuldgefühlen selbst in welche treiben zu lassen.

So geht es auch mit Haiti - wenn man von der Betroffenheit liest - und selbst eigentlich keine Ahnung hat (außer dass es da ein Erdbeben mit vielen Toten gab) - da komm ich mir dann so egoistisch und ignorant vor.

Dabei weiß ich, dass es mir nicht gut täte, dass es mich zu sehr trifft, berührt und mich zusätzlich runterzieht. Und dass es Futter für die Widersacher wäre im Sinne von "anderen geht's viel schlechter" - das gleich in ein "stell dich nicht so an" umgewandelt wird.

Genauso wie ich weiß, dass es auch eine Art Flucht wäre - sind in Probleme anderer zu flüchten, damit man sich mit den eigenen nicht auseinandersetzen muss.

Und trotzdem - wünschte ich, dass ich beides könnte, für andere da sein und gleichzeitig eben auch für mich da sein.

Im Moment geht das nicht - und ich habe mich für mich entschieden. Nicht nur als momentane Auszeit oder für ein paar Stunden, sondern eben über Tage.

Die Traumatherapie ist anstrengend und zur Zeit haben die Geister und inneren Dämonen offensichtlich eine Menge zu sagen.

Das ganze löst natürlich jede Menge Gefühle aus, Gefühle die mich zwar im Alltag nicht fluten, aber den Alltag doch deutlich anstrengender und mühsamer machen.

Es ist mein Job mich darum zu kümmern, dass ich da weiterkomme, damit ich irgendwann eben nicht mehr von der Vergangenheit fremdbestimmt werde, vielleicht wieder arbeiten kann, vielleicht eine Beziehung eingehen kann.

Doch im Moment würde ich gern vor mir fliehen und mich nur zu gern auf die Probleme anderer stürzen - grad deshalb fällt es schwer aus dem Vorwurf rauszukommen, nur egoistisch und ignorant zu sein.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Entschlüsselt

Es ging ja in letzter Zeit auch mal um eine Datei die über 1o Jahre alt ist und die mir immer wieder mal durch den Kopf ging - ich wusste nicht was drin steht - es war einfach mit dem aktuellen Thema in der Thera gekoppelt.

Die Versuche diese damals verschlüsselte Datei zu entschlüsseln schlugen fehl und so hab ich letzte Woche den damaligen Therapeuten angerufen und nachgefragt, ob er das noch hat.

Heute kam von ihm eine mail - im Anhang die entschlüsselte Datei von damals.

Im Gesamten ist es eher ein Sammelsurium an Erinnerungen und Gedanken. Der Teil, der wohl diese Koppelung ausgelöst hat ist nur 2 Seite oder so (von den ca 35).

Im Moment schaffe ich es nicht mich damit näher zu beschäftigen - es ist - heftig. Auch ein grobes Vorsortieren war nicht erfolgreich, denn dazu müsste ich das Ganze lesen und das geht grad nicht.

Zwar hab ich das Gefühl, dass der Inhalt jetzt nicht so neu oder für mich schockierend ist, es ist mehr so, dass ich da allgemein grad eher sehr empfindlich bin. Geplant war aber ja sowieso diese Datei in der Thera aufzugreifen bzw dass er sie vor mir liest.

Trotzdem - für mich heißt es jetzt ablenken und mir einen Nachmittag gönnen, an dem ich nur Schönes und Gutes für mich mache.

Dienstag, 12. Januar 2010

Fallangst aktuell

Knie ist deutlich besser, nur noch minimaler Schmerz, kann es auch wieder voll bewegen. Es ist noch ein ganz klein wenig geschwollen - und nach innen oder außen drehen (also gerades Bein und dann eben Unterschenkel nach innen oder außen biegen zum schauen ob die Bänder weh tun) - geht: gar nicht!

Aber mehr wegen der Angst. Auch Rausgehen geht aktuell nur noch mit zusätzlichem Stabilisieren (in der Regel bandagieren) - einfach Panik dass ich bei der Schneelage im Fußgelenk kippe - und sich das natürlich auch aufs Knie auswirkt oder so. Denn so richtig stabil ist das Knie noch nicht (und das ist nicht nur die Angst).

Morgen ist Physio und da wird da Knie oder überhaupt das li Bein tabu sein - denn auch die ganzen Übungen zum Stabilisieren der Fuß- und Kniegelenke gehen - angstmäßig - noch nicht.

Ob ich ihn das Knie selbst bearbeiten lasse muss ich morgen entscheiden (je nach Angstlevel)

Was die Angst angeht mach ich aktuell nichts zusätzlich - ich achte darauf, dass ich nicht deshalb zusätzlich was vermeide - also Termine wahrnehme, da auch rausgehe und draußen auf das Auto warte - Bus geht im Winter sowieso nicht (zur Zeit ja auch ohne Winter nicht). Oder eben beim Einkaufen nicht mich vor der Tür rauslassen und dann Parkplatzsuchen lassen, sondern eben dann vom Parkplatz zum Laden laufen usw. Außerdem auch die Krücken nur mehr da wo ich sie sonst eben auch brauche (Treppen und Co) - das muß ich mir eh nie vornehmen, ich nehm die Teile eher zu wenig als zu viel - ich mag die nämlich nicht.

Als Sicherheitsmaßnahme sind wie immer die Schuhspikes und auch die Spikes für die Krücken. Zusätzlich wird erstmal noch das Knie bandagiert wenn ich draußen unterwegs bin - einfach weil die Schneemengen hier kein "gerades" Laufen möglich machen, da kippelt man immer rum und das tun zum einen tatsächlich noch weh (wenn auch minimal) - brauch ich aber vor allem auch als Sicherheitsmaßnahme gegen die Angst. Ebenfalls zusätzlich ist ein sofortiges Ausziehen der Schuhe bei der Haustür und lieber mit Socken rumlaufen (nicht so gut, weil sich über die kalten Füße die Harnwegsinfekte freuen, aber besser ist jetzt halt so) - denn Wasser oder nasse Schuhe und Laminat haben den ganzen Mist diesmal ausgelöst.

Das ist auch der Grund warum da morgen der Physiotherapeut nicht viel mit machen darf - im Moment ist jeder Schmerz ein Problem, da er die Panik reaktiviert - wenn ich erstmal die Angst wieder einigermaßen im Griff habe, kann ich da auch wieder genauer schauen wo ist wirklich die Grenze des Knies.

Ich glaub das ist auch die große Verzweiflung die da immer ist - wenn was mit dem Knie passiert - weil ich - unabhängig von den Folgen im Knie - weiß, dass es mich eine sehr lange Zeit mit viel Angst und so mancher Panikattacke kostet.

Und Angsttraining ist einfach nur sehr mühsam und anstrengend.

Es wird - ich hoffe in 2 Wochen so weit zu sein, dass ich die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen weglassen kann. Bis auf die Schuhe - ich fürchte das wird dauern.

Erstmal muß das "normale" Rausgehen wieder einigermaßen laufen, dann kann ich auch wieder konkreter dran arbeiten - im Moment bin ich vollauf damit beschäftigt, nicht irgendwelchem weiterem Vermeidungsverhalten nachzugeben und die Angst wenigstens unter einem bestimmten Level zu halten - das ist schwer genug zur Zeit.

(Und nein dem Vorschlag doch lieber einen Schritt zurück und der Angst ein bisschen nachzugeben und dafür nicht ständig in Angstzuständen zu sein finde ich nicht gut - das würde es erstmal verschlimmern und so wie ich es aktuell handhabe geht es - es ist heftig und anstrengend und sicher an der Grenze des Möglichen und Sinnvollen - aber eben an der Grenze und noch nicht drüber - auch wenn der Vorschlag durchaus berechtigt ist und auch Sinn macht - ich glaub ich bin da auch grad zu wütend drüber, dass mich die Angst da doch noch so im Griff hat um ihr auch nur einen Millimeter mehr als nötig nachzugeben - bin halt ein Tiroler Sturkopp)

Sonntag, 10. Januar 2010

Geister

Es naht der Geburtstag der Mutter - ein Tag der für mich immer schwierig ist.

Der Umgang mit dem Thema "Mutter" ist heikel - da ist der "Vater" deutlich einfacher - selbst wenn ich da ganz aktuell dran bin.

Die Mutter hat in mir deutlich mehr zerstört. Das mag für viele unverständlich sein, denn was soll schon schlimmer sein als Missbrauch durch den Vater.

Vielleicht ist es auch eine Schutzreaktion. Mein Vater hat sehr sehr schlimmes gemacht und sehr viel zerstört, aber er hatte auch eine liebevolle Seite, ich hab mit ihm auch sehr wertvolles erlebt.

Er hat - wenigstens ab und zu - auch mich gesehen und Dinge nur für mich gemacht. Und er hat den Missbrauch nie bestritten, hat nie gesagt, dass ja nichts war. Er hat ihn zugegeben (auch wenn er da immer nur von "es" sprach - es wurde auch nie genauer nachgefragt - z.Bsp auch vom Jugendamt nicht).

Meine Mutter war und ist dazu nicht in der Lage - sie konnte und kann weder jemand anderen als sich sehen noch kann sie es zugeben.

Für sie war ich immer nur ein Werkzeug, mit dem sie die Aufmerksamkeit bekam, die sie brauchte, an dem sie sich ausleben konnte. Sie hat mich manipuliert, verletzt, krank gemacht. Sie hat mich niedergemacht, gedemütigt und verachtet. Sie hat mich gelehrt, dass ich nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln wert bin. Sie hat mich terrorisiert und bis ins kleinste kontrolliert. Sie hat mich auch missbraucht - wobei da (noch) nicht klar ist - ob von ihrer Seite ein sexueller Hintergrund da war und sie hat den Missbrauch durch den Vater nicht nur ignoriert, sondern auch gefördert - ihn als "Belohnung" oder "Bestrafung" auch gezielt eingesetzt.

Doch das passt nicht in ihre "Rolle" der fürsorglichen Mutter, die nach außen hin das oberste Gebot ist.

Sie lebt in ihrer eigenen Realität - so geschickt, dass niemand Verdacht schöpft. Klar gab es Verdachtsmomente - doch die konnte sie immer gut zerstreuen.

Manchmal glaube ich, dass sie wirklich glaubt was sie sich da so zurecht bastelt - denn nur so kann ich mir erklären, dass sie es all die Jahre für sich aufrecht erhalten kann.

Sie ist krank. Sehr sogar.

Doch für mich war es die Hölle - und leider ist es das immer noch.

Als ihre Tochter hab ich zu viel von ihr in mir. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich niemals Kinder haben möchte - ich will nichts von ihr weitergeben.

An solchen "besonderen" Tagen - wie z.Bsp die Tage um ihren Geburtstag - merke ich immer deutlicher, dass ein äußerlicher Kontaktabbruch leider nur die Hälfte ist - denn die Mutter in mir zu vertreiben oder in ihre Schranken zu weisen - ist deutlich schwieriger.

Sie sind dieses Wochenende da - die Gedanken, die Ängste und ihre Stimme, wie sie mich niedermacht. Deutlicher als sonst, aber auch klarer definiert als sonst.

Es gelingt mir, sie in ihre Schranken zu weisen, sie als das zu identifizieren was sie sind: Täterintrojekte und Widersacher

Heute macht es mich eher traurig, dass sie immer noch so viel Macht hat, aber auch, dass ich nie erfahren werde, was es heißt eine Mutter zu haben, der man auch etwas bedeutet.

Ich glaube dass sich das nie mehr nachholen lässt - wenn das als Kind nicht erfahren wurde was Liebe bedeutet oder auch Vertrauen und Geborgenheit. Grundvertrauen kann man nicht nachholen - so wie ein Kind das bis zu einem best. Alter keine sprachlichen Anreize erhält (die so genannten "Wolfskinder" z.Bsp), nie richtig sprechen lernen wird (glaub das Alter von 8 oder 9).

Es gibt Dinge, die später nicht nachgeholt werden können. Ich kann daran arbeiten heute anders damit umzugehen und ich kann alles mir mögliche dafür tun, dass sich der ganze Mist nicht wiederholt. Denn ich bin sicher, dass die Kindheit meiner Mutter alles andere als schön war.

Sie kompensierte das durch Kinder - und wir Kinder müssen mit den Folgen leben.

Es ist mein Job heute dafür zu sorgen, dass ich das beste aus der Situation mache, das beste aus meinem Leben mache - deshalb mache ich Therapie, deshalb arbeite ich so hart an mir.

"Normal" werde ich nie sein. Doch irgendwann werde ich ein erfülltes Leben leben.

Das lass ich mir weder vom Vater noch von der Mutter verderben - ihr habt heute in meinem Leben nichts mehr zu sagen! Irgendwann werden das auch die inneren Anteile der Eltern verstehen müssen!

Samstag, 9. Januar 2010

Musik

Angeregt von hier schwelge ich grad so in Erinnerungen. Schönen und auch weniger schönen - und alle drehen sich um die Musik.

Als Kind lernte ich Gitarre, Begleitung, wann ich damit anfing weiß ich nicht mehr. Es gab auch mal Flötenversuche, doch die hasste ich.

Ich war ein sehr unsicheres Kind und obwohl ich schon ganz gut singen kann (und sicher damals auch konnte) hatte sich ein Ereignis "eingebrannt" - in einem Pfadfinderlager habe ich gesungen und einer der "Erwachsenen" meinte damals zu mir, ich solle nicht so falsch singen. Seidem habe ich nicht mehr gern gesungen wenn jemand zuhörte.

Da ich aber nur Gitarre-Begleitung lernte, war Singen irgendwie "Pflicht" - ich hasste das sehr und bin auch einmal aus der Musikschule geflogen, weil ich mich geweigert hatte beim Schulkonzert zu Singen (immerhin lernte ich ja Gitarre). Nach dem Rausschmiss lenkten die wieder ein - ich hasste ja auch die Konzerte - das geht mir bis heute so.

Am meisten aber hasste ich, wenn meine Mutter ankam und meinte: spiel doch mal was vor (vor allem wenn Besuch da war) - denn zum einen mochte ich es gar nicht im Mittelpunkt zu stehen - vor allem aber konnte und wollte ich nicht singen.

Das waren die Schattenseiten der Musik.

Doch wenn ich nur für mich spielen konnte, still und heimlich und leise - dann war das für mich wie ein Auftanken. Sehr oft hab ich mich in die Musik geflüchtet - in Lieder war es möglich Dinge auszudrücken ohne dass ich mir dessen bewußt war.

Ohne die Musik, ohne die Gitarre hätte ich keine Zuflucht gehabt - und manchmal denke ich, ohne hätte ich meine Kindheit nicht überlebt.

Später ging ich in ein musisches Gymnasium: Gitarre als erstes Fach und Querflöte als zweites (letzteres als Anfänger). Zu Weihnachten wechselte ich weg von Gitarre - Blockflöte als erstes und Querflöte als zweites (leider musste man das erste Instrument schon beherrschen und das war bei Blockflöte nicht der Fall - deshalb musste ich zum Halbjahr eine Prüfung ablegen - um nachzuweisen, dass ich den geforderten Wissenstand habe - mit Erfolg).

Es lag an der Lehrerin (die mir das nie verzieh, hätte ich doch eine eins bekommen, was bei ihr großen Seltenheitswert hatte).

Die Musik war weiterhin unglaublich wichtig für mich - ich konzentrierte mich auf Blockflöte. Überhaupt Flöten im Allgemeinen. Bis zu dem einen Tag, als ich angesprochen wurde, dass am Nachmittag ein Konzert stattfindet und dafür noch jemand benötigt wird, der die Okarina-Stimme spielt - mit Okarina.

Ich hatte noch nie von einer Okarina gehört- aber es reizte mich - ich besorgte mir in dem kleinen Musikladen eine Konzertokarina - und schaffte es tatsächlich bis zum Nachmittag das Grundlegende zu lernen (die Stimme war Gott sei Dank sehr einfach gesetzt).

Von da an war die Okarina "mein" Instrument - ich liebte das Teil. Dieser besondere Ton, dieser besondere Klang - noch heute habe ich diese spezielle eine Okarina von damals (zwischendrin hatte ich mir mal einen ganzen Satz gekauft - aber nach vielen Jahren wieder verkaufen müssen).

Heute spiel ich nicht mehr oft - aber es ist eines der ganz wenigen Dingen, die ich aus der Zeit von damals noch habe.

In der Jugendzeit spielte ich mit Freunden bei Gottesdiensten, Hochzeiten usw - meist spontan - wir waren ein Team - Üben gab es nicht, Proben schon gar nicht - oft spielten wir die Lieder auf Zuruf - das höchste der Gefühle war es 5 Minuten vor Beginn kurz durchzusprechen welche Lieder wir spielen.

Oft genug haben wir in diesen 5 Minuten ein Stück neu gelernt - und wir waren anspruchsvoll - denn mehrstimmig war oberstes Gebot. Und wir waren gut - wir waren einfach auf einander eingespielt.

Damals machte mir das nichts aus - ich mochte diese Spontaneität - heute wäre das für mich die große Katastrophe - alles muss bis ins Letzte geübt und geprobt sein.

Später dann war es die Musik die mir sagte, wie es mir ging. Denn ich konnte diese Frage nie beantworten. Doch mir ging immer irgendein Musikstück im Kopf herum und ich lernte einfach mir dann dieses Musikstück anzuschauen - und es zeigte mir, was grade in mir los ist. Gefühle waren ja "verboten" und ich hatte da keinerlei Beziehung dazu - und auch keine Ahnung.

Ich lief immer mit Walkman oder später Diskman und jetzt mp3-Player herum - denn ohne Musik habe ich das Leben nicht ertragen. Selbst mit war es schon kaum auszuhalten.

Auch heute ist die Musik ein wichtiger Bestandteil meines Lebens - das Singen mein Hauptskill, die Instrumente immer noch wichtig und auch wenn ich heute kaum noch zur Flöte greife (einmal im Jahr vielleicht) - weil ich Angst habe dass mich jemand hört, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genüge und das niemand zumuten will - aber auch, weil die Flöte heute für mich ein Problem ist, sie ist eine Art Trigger für die MB-Situationen. Querflöte hab ich schon viele Jahre keine mehr - auch die mußte ich damals vor einigen Jahren verkaufen.

Die Gitarre nehm ich ab und an zur Hand - einfach nur für mich - und es war die Musik, die mir mehr als einmal das Leben gerettet hat. Ein Konzert von Jonathan und Laurent, die Musik von ihnen aber auch die Gitarre oder das Singen - wenn alles nur noch unerträglich war und ich dem Tod deutlich mehr zugeneigt war als dem Leben.

Meine erste Schalplatte war "Music" von John Miles:



Besonders die Stelle an 3:19 bis 3:42 - hat tief in mir was angerührt - zu Tränen gerührt - warum auch immer. Und dann ab 4:45 - das Finale sozusagen :-)

Das war sie - meine "erste Liebe" - und bisher meine einzige glaub ich.

Musik.

PS: mein Lieblingsvideo von dem Lied ist übrigens das hier:



beginnt erst ab 0:15 leider.

Glück gehabt

Zwar dachte ich mir das schon gestern (oder hoffte es zumindest) - aber ich bin sehr froh, es heute bestätigt zu wissen: nur eine leichte Zerrung.

Aufatmen.

Irgendwann bin ich gestern dann eingeschlafen, die Nacht war soweit ok, die Schwellung am Knie hat sich etwas verlagert - ist auch nicht schlimm, der Schmerz ist da, aber auch nur wenig, solange ich das Knie bandagiere geht es ganz gut. Solange ich darauf achte den Fuß gerade aufzusetzen kann ich auch ohne Krücke durch die Gegend humpeln (die steht aber griffbereit, für den Fall dass die Angst mich wieder befällt - gibt einfach zusätzliche Sicherheit). Anfühlen tut sich das Knie eigenartig - als wäre es mit Wasser oder Luft gefüllt, die Bewegungseinschränkung (auch minimal - ganz durchstrecken geht nicht und ich komm etwas über 90 Grad) ist weniger wegen des Schmerzes, als wegen des "Druckgefühls" im Knie - ist irgendwie wie "aufgeblasen".

Fakt ist also - in wenigen Tagen ist das Geschichte. Die Angst vor dem Schnee und dem Rausgehen ist leider wieder jenseits von Gut und Böse - die Fallangst hat neue Nahrung bekommen.

Dieses "mir unbedingt schaden wollen" ist auch erledigt. Trotzdem werde ich zur Sicherheit da erstmal wieder etwas "vorsichtiger" rangehen und die Wahrnehmungen und Empfindungen des Körpers dreimal hinterfragen.

Es ist echt heftig, wenn man zwar weiß, dass man haltlos überreagiert und grad völlig hysterisch ist und durchdreht - es aber einfach nicht in den Griff bekommt.

Als hätte ja jemand anderer von einem Besitz ergriffen und man steht hilflos und ausgeliefert daneben und kann nichts tun.

Das reaktiviert den alten Mist gewaltig - auch damals konnte ich nichts tun und war hilflos ausgeliefert - was mit mir und meinem Körper passierte.

Diesmal jedenfalls hatte ich Glück - es ist nicht viel passiert und wird bald wieder ok sein.

Freitag, 8. Januar 2010

Erinnerungen

Wie erwartet war der Einstieg nicht das Problem. Das Ergebnis eher - unerwartet und sehr heftig - leider auch nicht nur einmal. Der Termin war dadurch deutlich länger und ich bin heilfroh, dass es diese Möglichkeit gibt.

Wir brauchten die Zeit nämlich um da einen einigermaßen handhabbaren Abschluss zu finden. Ausgangspunkt war eine nicht näher definierte Missbrauchssituation, die recht schnell zu der anvisierten führte - tja - was daraus entstand war nicht erwartet und das mich wohl noch eine ganze Weile beschäftigen wird.

Ich befand mich da danach auch in einer Art "Schockzustand" - zwar gut funktionierend, aber eher distanziert. Hatte den Vorteil, dass ich den Beinah-Unfall, in dem ich bei der Heimfahrt verwickelt war, nicht mehr groß schockieren konnte (und es war wirklich so richtig knapp - der Taxifahrer war auch beim Aussteigen hier bei mir nach 20 Minuten immer noch total fertig - und er ist einiges gewohnt).

So langsam lässt dieser "Schockzustand" nach - das "Erlebte" recht weit weggeschoben, denn das muss ich mit dem Thera aufarbeiten (und ein Stück weit in die Theorie flüchtend)

Langsam frag ich mich, was da noch so alles kommt - schon seit einigen Monaten denk ich immer wieder: jetzt kann ja nichts groß Schlimmes noch kommen.

Offensichtlich gibt es aber immer "noch schlimmeres" - wobei die einzelnen Sachen denk ich nicht immer "schlimmer" sind - das gibt es da auch nicht so - eine wirkliche "Reihenfolge" oder "Wertung" gibt's da nicht, ein schlimm und schlimmer ebenfalls nicht - die Situationen sind alle schlimm.

Trotzdem treffen die einen mehr, die anderen weniger - oft liegt das daran, dass manches eben schon bekannt oder auch erwartet ist - die unerwarteten Dinge, die sind dann immer für eine ganze Weile ein heftiger Schock.

Aktuell ist es ja so, dass sich das schon vor ein paar Wochen angedeutet hat - aber eben in mir immer die Hoffnung war "so weit sind sie nie gegangen" oder so. Dabei kenne ich die Abgründe meiner Eltern ja.

Es ist auch eher eine persönliche "Wertung" - für jemand anderen ist das für mich ganz schlimme vielleicht weniger tragisch, und das was ich als eher "Kleinkram" empfinde was ganz schreckliches.

Trotzdem trifft es mich immer sehr, wenn ich dann feststelle, dass die Abgründe meiner Eltern offensichtlich keine Grenzen kennen. Dabei geht es oft weniger um das "was" als viel mehr um das "wie".

Die waren echt gut darin Realitäten zu verdrehen und die Schuld für ihre Übergriffe auf mich abzuwälzen.

Die Schuldgefühle kennt jeder Traumatisierte, oft geht es dabei auch darum, daß man, wenn man Schuld daran hat, wenigstens nicht nur ausgeliefert war - denn dieses Ausgeliefertsein fühlt sich viel schlimmer an als das Schuld haben. Natürlich neben den Schuldgefühlen, die jahrelang eingeredet wurden.

Ich hab die Täter in mir - mein Leben lang - denn vieles hab ich von ihnen übernommen, grade auch was mein Selbstbild angeht. Auch das ist "normal" - nennt sich Täterintrojekt.

Da mag vom Kopf her noch so sehr klar sein, dass die Frage eines kleines Kindes, was "lieb haben" bedeutet, nicht dadurch erklärt wird, indem man es missbraucht und dies dann mit "das ist lieb haben" erläutert. Der Verstand sagt da ganz klar, da kann das kleine Kind nichts für, die Frage war keine Aufforderung usw.

Doch gefühlsmäßig ist das anders. Damals wurde gesagt, dass ich es ja gewollt hab, danach gefragt habe und überhaupt. Diese Anteile des Täters hab ich noch in mir, die Stimmen der Widersacher.

Und grade im Moment, heute, hab ich damit wieder deutlich mehr zu kämpfen, machen sich diese Widersacher selbstständig und es ist ein ewiger Kampf ihnen nicht nachzugeben (die sind nämlich verdammt hartnäckig).

Es war eine gefühlsmäßige Bindung zu dem Kind in der Situation damals da - ein "Nachempfinden" dessen, was das Kind damals fühlte - und es war eine Situation in der etwas in diesem Kind endgültig zerbrochen ist.

Um dieses Kind kann ich mich im Moment nicht kümmern - es tut zu weh und es tut mir unendlich leid - ich kann da nicht hinschauen und mittragen. Denn im Moment hab ich mit mir selbst im hier und heute genug zu tun. Ich weiß, dass dieses Kind versorgt ist - dass sich jemand darum gekümmert hat - die Situation selbst macht mich auch heute noch sprach- und fassungslos. Da gibt es noch keine Weg mit umzugehen. Den werde ich in den nächsten Therapieterminen gemeinsam mit dem Thera suchen müssen.

Bis dahin versuche ich mich auf das hier und heute zu konzentrieren und werde daran arbeiten, mir Gutes zu tun und zu schauen, dass ich mich nicht im Kampf gegen die Widersacher verliere (möglichst ohne mich überhaupt auf Diskussionen mit ihnen einzulassen).

Mittwoch, 6. Januar 2010

alte Datei

Schon seit einigen Wochen geht mir eine uralte Datei durch den Kopf. Damals hab ich mein Tagebuch und sonst so einiges auf meinem Computer verschlüsselt. Das Verschlüsselungsprogramm lief nur unter Win95 und 98 - wobei bei manchen es wohl auch unter XP "machbar" war.

Ich habe sowohl die Datei, das Passwort als auch das Programm - doch ich bekomme die alten Dateien nicht entschlüsselt.

Diese eine spezielle, die mir da durch den Kopf geht - wäre mir wichtig. Ich hab keine Ahnung was drin steht - gefühlsmässig war es damals ein erstes "Aufschreiben" von Missbrauchserinnerungen - doch ich kann mich nicht daran erinnern. Was ich noch weiß ist, dass diese Datei in dissoziativen Zuständen entstand - also in Zeiten die mir komplett fehlen - und dass ich sie immer bei den Tagebüchern mit bei hatte (während andere, auch mit sensiblen Inhalt da wo anders abgelegt wurden).

Grade in den letzten Wochen, in denen ich immer um eine best. Situation kreise, mit der ich mich nicht recht abfinden will/kann, geht mir diese Datei ständig durch den Kopf.

Da ich aber keinen Computer mehr mit Win95 habe (und auch keinen mit 98) - wollte nun der Therapeut versuchen sie auf seinem alten Laptop zu entschlüsseln und damit wieder "verfügbar" zu machen. Ich fürchte jedoch, dass dies nicht mehr möglich ist, da die Diskette mit dem Originalschlüssel defekt ist.

Das macht mir im Moment ziemlich zu schaffen. Diese Datei ist über 10 Jahre alt - und vielleicht ist es nur ein Satz oder ganz was anders - aber sie ist mir wichtig - sehr sogar.

Es ist wie ein Puzzlestück - ein Puzzlestück meines Lebens - und die Angst, dass ich mein Leben nie zusammengepuzzelt kriege, wenn dieses Stück fehlt.

Das geht so weit, dass ich den Therapeuten von damals angerufen habe (und auch noch direkt erreicht, war total überrascht!) - denn ich glaube, dass ich dem damals die Datei samt Schlüssel gegeben habe. Er will sich die Tage mal bei mir melden, da er erst schauen muss, ob er das noch hat (ist immerhin über 10 Jahre her!). Die Chance ist aber sehr gering.

Sonntag, 27. Dezember 2009

gut so

Rausgehen hat funktioniert - ich war auch brav und habe das Knie, das ja die letzten zwei Tage dann doch endlich Fortschritte gemacht hat und nur noch halb so dick ist wie vorher, nicht überfordert. Dafür war kein Auspowern drin.

Ironischerweise bin ich den selben Leuten schon wieder begegnet - und wieder stand ich mit Gesicht zur Sonne, Augen geschlossen und genoss einfach die Sonnenstrahlen. Nun ja - ist der Ruf erst ruiniert, ...

Es ist jetzt also besser, nicht ganz gut, aber deutlich besser.

Vergangenheit

Heute ist so ein Tag, an dem ich meine Kindheit nicht wirklich weggepackt bekomme. Es fing schon in der Nacht an, in den Träumen tauchte immer wieder etwas auf. So wachte ich morgens dann schon etwas angeschlagen auf.

Es ist nicht so, dass es mich überflutet, aber es ist fast ständig am Rande da. Solange ich mich aktiv ablenke geht es. Doch einfach hinsetzen und fernsehen oder lesen - ist offensichtlich zu wenig aktiv.

Das Ganze ist handhabbar, aber es hinterlässt ein Grundgefühl von Traurigkeit und Verzweiflung und jede Unachtsamkeit lässt diese Gefühle hochkochen.

Das macht solche Tage so anstrengend.

Noch weiß ich ja nicht ob es den ganzen Tag so bleiben wird - immerhin ist es erst 10. Ich werde jetzt erstmal das "Grundprogramm" starten, das die besten Chancen bietet da wieder rauszukommen:

1. den ganzen Mist aufschreiben und wegschicken (per mail)
2. rausgehen und eine Nordic-Walking-Runde machen (alternativ sonst etwas außerhalb der Wohnung und körperlich aktives)
3. nach Hause kommen, möglichst ausgepowert, und den Tag "neu beginnen"
4. möglichst Dinge machen die gut tun, kein "muss" nur ein "kann"
5. wenn das alles noch nicht ausreicht: "Auszeit" - Welt aussperren, kein Telefon oder Fernsehen, nur gemütlich in die Ecke und was lesen, dazu was leckeres zu Trinken oder Essen und versuchen in die Welt der Bücher einzutauchen (oder in die Welt der Musik oder Entspannungsübungen).

Den 1. Punkt lass ich manchmal auch weg oder er kommt erst nach 4. - das ist unterschiedlich - je nachdem wie drängend die Erinnerungen sind oder auch wie unklar, je klarer, desto weniger ist es nötig sie aufzuschreiben bzw es reicht dann ein Satz.

Heute werde ich 1. erstmal weglassen und mit der Nordic-Walking-Runde beginnen - trotz Knie, es macht allerdings aus Nordic Walking einen kleinen Spaziergang und ich hoffe, dass das ausreicht (ohne dass es in selbstschädigendes Verhalten kippt, denn so ein angeschlagenes Knie bietet dafür sehr viele Möglichkeiten).

Und ich versuche mich nicht zu ärgern, nicht wütend zu sein, dass mich der alte Mist immer noch so im Griff hat.

Es ist wie es ist - und ich arbeite dran.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Körpererinnerungen

Aktuell plagen mich viele Körpererinnerungen. Das sind Erinnerungen des Körpers aus früher Zeit, die jeder hat.

Kinder, die missbraucht werden, speichern diese Erinnerungen anders ab. In diesem Moment wird nicht zwischen "wichtig" und "unwichtig" sortiert, alle Eindrücke prasseln sozusagen ungefiltert ins Gehirn. Und dort werden sie dann verarbeitet, leider so unsortiert.

Bei mir ist es so, dass diese Erinnerungen als Körpererinnerungen auftauchen. Das zeigt sich dadurch, dass ich in diesem Moment das so spüre, als würde es grade jetzt passieren. Ich spüre die Hand auf mir, die mich damals festhielt oder streichelte, ich spüre den Atem in meinem Gesicht und ich spüre den Schmerz. So als würde es genau in diesem Moment passieren.

Der Körper reagiert so, als würde es genau jetzt passieren - und ich kann nichts dagegen tun.

Es heißt Körpererinnerungen sind die "ehrlichsten" Erinnerungen, die nicht verfälscht sind oder verwischt, da es eben nicht über den Kopf läuft.

Es ist wie das mit dem Fahrradfahren - selbst wenn man viele Jahre nicht gefahren ist, kommt man schnell wieder rein, denn der Körper erinnert sich, hat die Bewegungen usw verinnerlicht. Das läuft nicht über den Verstand - sondern über den Körper.

So ist es auch mit den Körpererinnerungen, man spürt den Missbrauch ganz deutlich - als würde er in diesem Moment passieren. Immer und immer wieder.

Im Moment ist es so, dass ich damit wieder deutlich mehr Probleme habe. Die Intensität ist unterschiedlich - von sehr heftig bis nur am Rande da (aber eben da). Gott sei Dank gelingt es mir zur Zeit sehr gut, da wenigstens gegenzusteuern, wenn es auftritt, es dann wegzupacken bzw mit Skills wieder "wegzukriegen" - das klappt auch sehr schnell, sodass ich im Moment nicht stundenlang in diesem Körpergefühl "gefangen" bin, sondern es nach wenigen Sekunden oder Minuten auch wieder beenden und wegpacken kann.

Es ist zur Zeit also gut handhabbar (und ich kenne da Zeiten, wo das gar nicht der Fall war), aber es ist auch kraftraubend und bedeutet für mich, dass ich die nächsten Tage bewusster wieder auf Auszeiten achten muss und darauf, dass ich mir Gutes tue und bewusst Zeit für schöne Dinge nehme.

schmerzhaft

Die Therapie heute war anstrengend - wie immer - dabei sind wir da heute gar nicht richtig "eingestiegen" - da ja die nächsten 14 Tage kein Termin ist.

Es ist einfach sehr schmerzhaft. Und es fällt schwer sich all die Dinge die passiert sind einzugestehen. Es kommen immer mehr Details hoch, einige sind "fehlende" Puzzlestücke, so dass anderes Sinn ergibt, andere sind auch zuordenbar und wieder andere machen auch Überlagerungen deutlich.

Manche Sachen davon sind für mich "einfacher" zu handhaben, andere - naja gegen die sträube ich mich sehr - die will ich mir nicht eingestehen und "rette" mich in ein "das kann ja gar nicht sein, dass hätte er/sie nie getan" - mit dem gleichzeitigen Gefühl der Gewissheit, dass es eben doch so war.

Dabei geht es nicht so sehr um Details. Wobei ich immer wieder überrascht bin, welche Details sich zeigen, das kann ein Stück Tapete sein oder ein Bild an der Wand, das Muster des Teppichs, ein best. Stuhl - Sachen, die in dieser Missbrauchssituation sicher so nebensächlich waren und doch wie eingebrannt da sind. Leider sind eben auch die Erinnerungen an den Missbrauch selbst da.

Im Moment am deutlichsten über Körpererinnerungen (dazu schreib ich noch was hier) - die eben auch im Alltag immer wieder da sind.

Es ist noch ein langer Weg und ich bin sicher auch auf dem richtigen Weg - schwer ist es dennoch und sehr anstrengend und mit sehr vielen Gefühlen gekoppelt.

Und leider kann man nicht einfach eine "Auszeit" davon nehmen. Doch ich werde mich davon nicht unterkriegen lassen!

Sonntag, 20. Dezember 2009

Gedanken

Seit einigen Jahren mache ich mir zum Jahreswechsel Gedanken - über das vergangene Jahr und das kommende und schreibe das auf. Und jedes Jahr nehme ich mir dann den Eintrag vom letzten Jahr und schaue was ich von den Dingen, die ich gerne erreicht hätte erreicht habe, überpüfe sozusagen auch nochmal ob ich auf einem Weg bin, der mich weiterbringt.

2005 hab ich damit angefangen - und damals geschrieben - dass es nicht Vorsätze fürs nächste Jahr gibt, sondern Vorsätze für mein weiteres Leben.

Ich will mein Leben leben!

Das ist bis heute so und wenn ich die Zeit von damals mit heute vergleiche, habe ich unglaublich viel erreicht.

Dieses Jahr werde ich das hier machen.

Samstag, 19. Dezember 2009

Knie und Fallangst

Unzählige Male hab ich mir die Knie verletzt. Meistens verdreht.

Anfangs war es kein Thema, die üblichen paar Wochen und das Knie war wieder wie vorher (schmerzfrei war es ja vorher schon nicht, aber es war alles gut aushaltbar), doch mit jedem Mal dauerte es länger, gab es mehr Komplikationen, musste häufiger punktiert werden und war mehr kaputt. Eigentlich kenne ich es ja nicht anders, schon als Kind hatte ich ständig Schleimbeutelentzündungen und mit 13 wurde mir vom Orthopäden nahe gelegt das Schifahren als Sport zu lassen, die Knie wären schon so abgenutzt. Von daher kenne ich Schmerzen mein Leben lang.

Solange das in einem best. Rahmen ist, ist das ok. Doch als dann Stürze zu Verletzungen führten, die eben nicht mehr wenige Wochen, sondern mehrere Monate dauerten, wurde es von immer mehr Angst begleitet. Im Hinterkopf ist immer noch das eine Mal vor vielen Jahren - ein Sturz bei Schneeglätte, mitten auf der Straßeund ein Knie, das selbst die Ärzte vor Rätsel stellte. Denn die Schiene wurde ich ganze 8 Monate lang nicht mehr los.

Unzählige Male wurde es punktiert und zweimal die Woche Phyiso (ging damals ja noch) und doch wurde das Knie nicht besser, es war dick, geschwollen, sonderte alles Mögliche an "Flüssigkeiten" ab, die es nicht absondern sollte und ehe ich mich versah, war statt der 8 Wochen angekündigten Zeit mit Schiene, 8 Monate um. Dann war ich zwar die Schiene los (und hatte trotz Polsterung derbe Scheuermale die mich noch lange daran erinnerten), doch das Knie war noch lange nicht ok. Der nächste Winter kam und zu dem Zeitpunkt schien es endlich gut zu sein - ganze 2 Wochen lang mit erstem zaghaften Hoffen, dass es nun wirklich gut ist.

Ein neuerliches Rutschen und ich war wieder am Anfang. An diesem Moment erinnere ich mich gut - ich war zu Besuch bei der Familie in Österreich, lag da an einem Feldweg im Schnee und heulte nur noch. Das Knie tat zwar weh, doch es war nicht der Schmerz, es war die zerstörte Hoffnung, die grade wieder so aufgeflackert hatte, dass das mit dem Knie doch wieder gut würde.

In diesem Moment brach etwas in mir, weit und breit kein Mensch, ich kam nicht mehr hoch und war einfach nur zutiefst verzweifelt.

Mein Leben war für mich schon schlimm genug, ich hab mich in die Arbeit geflüchtet, doch mir ging es sehr schlecht. Das mich mein Körper auch noch so im Stich ließ - war da einfach zu viel.

Es dauerte wieder fast ein Jahr bis das Knie wieder soweit ok war wie es eben möglich war.

Doch es ist mehr diese Verzweiflung als der Schmerz, der mir die Fallangst beschert. Der Kopf weiß, dass ich damit die Gefahr eines Sturzes noch erhöhe, denn ein hilfloses vor sich hin trappeln verschafft keinen sicheren Stand. Der Kopf weiß auch, dass es nicht der Schnee an sich ist - sondern der mehr als Symbol für all das Rutschige steht - das fängt mit nassem Laub an oder auch Regen auf best. Gehwegen (die dann so eine Schmierseifenspur bekommen), dass es Eis ist oder ein nasser Fleck auf dem Ladenboden.

All diese Dinge bescheren mir auch eine Angst - doch es ist eine handhabbare Angst - eine die mich vorsichtiger werden lässt, aber nicht daran hindert da lang zu laufen. Der Schnee ist da nur das Symbol für all diese Sachen - und doch nützt mir das nichts - das im Kopf zu wissen. Der Körper reagiert einfach und ich stehe dann dann und habe das Gefühl, dass jemand ganz anderer grad die Kontrolle über mich übernimmt - über meinen Körper und meine Gedanken. Das merke ich auch in diesem Moment und kann es da dennoch nicht ändern.