Samstag, 26. September 2009

leichter ...

Aufgrund meiner Sozialphobie kann ich nicht mit dem Bus fahren. Ich arbeite dran und wenn es mir gut geht und ich die Schulstosszeiten meide - schaffe ich es durchaus in der Stadt mal eine oder zwei Strecken zu fahren. Manchmal gelingt das sogar recht gut - aber regelmässig und vor allem dann in den Bussen voller Schulkinder - hab ich keine Chance.

Es ist aktuell auch nicht das Thema Nummer 1 - und ich kann nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen. Da im Winter dann noch das Problem dazukommt, dass ich nicht raus kann wenn es rutschig ist - werde ich das jetzt auch nicht weiter intensivieren - das Bustraining.

Mindestens 2 x die Woche fahr ich ja zur Therapie, dann noch zur Arbeitstherapie, Physio, dem Schwimmen was das KH anbietet usw. Bis auf das Schwimmen (wobei das natürlich im Moment der Hauptpunkt im Kampf gegen die Sozialphobie ist - deshalb ist es schon sehr wichtig - abgesehen von der körperl. Betätigung) - sind das alles Termine, die so wichtig sind, dass ein Ausfall (wegen Urlaub z. Bsp.) meine Stabilität sehr ins Schwanken bringen kann (ok bei der Physio merk ich es halt körperlich sofort, psychisch weniger, aber die AT und die Therapie - nicht umsonst hab ich da Urlaubsvertretungen, obwohl das nicht so üblich ist in der Ambulanz).

Um diese Termine wahrnehmen zu können, übernimmt die Krankenkasse die Fahrtkosten - mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder wenn nötig mit dem Taxi. Ohne diese Fahrtkostenübernahme kann ich die Termine nicht wahrnehmen, solange das mit dem Bus nicht klappt - und sobald der Druck von "muss klappen" da ist - geht meist gar nichts mehr.

Entsprechend hängt von dieser Genehmigung sehr viel ab. Da auch die Krankenkasse den Bedarf aber sieht und ich in die "Vorgaben" falle, die eben angeben, wann sie so was übernehmen - ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es genehmigt wird.

Seit einem Jahr etwa dauert das aber leider etwas und die Genehmigung kommt immer mehr als knapp oder eben ein paar Tage zu spät. Und natürlich kann man nie wissen ob sie es genehmigen - immerhin ist es eine Krankenkasse, die haben mir schon so viel gestrichen - sicher bin ich da also nie. In der Regel gilt die Genehmigung für 3 - 6 Monate - dann muss neu beantragt werden.

Die aktuelle Genehmigung geht noch bis nächsten Mittwoch und deshalb hab ich die letzte Woche das übliche Prozedere angefahren (natürlich unabhängig vom Antrag, der 6 Wochen vorher gestellt werden soll und wird) - dort anrufen, die Sachbearbeiterin macht dann dem med. Dienst Druck rechtzeitig eine Entscheidung zu fällen und meldet sich dann bei mir.

Nur dass es eine neue Sachbearbeiterin gibt, die völlig unbedarft war - und deren Aussagen mir wirklich große Angst gemacht haben.

Die große Zitterpartie sozusagen.

Heute komm ich zum Briefkasten - und finde: die Genehmigung!

Zwar für das falsche Krankenhaus ausgestellt - doch was soll's - das hatten wir schon öfter und das war bisher nie das Problem - dass die immer noch nicht wissen, welches Krankenhaus - naja - ist deren Problem - Hauptsache die Therapietermine sind erstmal sicher.

Und es ist unglaublich, was so eine Genehmigung ausmacht - die Stimmung ist deutlich besser, da polterte nicht nur ein Stein, sondern eher ein Gebirge vom Herzen - und so fühl ich mich heute auch - sehr viel leichter, beschwingter - und das geniesse ich heute (und investiere diese Energie gleich in Wäsche waschen, aufhängen, Badboden gründlich machen usw.)

Donnerstag, 24. September 2009

V.

Heute wäre sein Geburtstag. Der September war "unser" Monat - 1996. Wir haben unsere Hochzeit vorbereitet - und stellten dann Ende des Monats fest - dass wir nun alles vorbereitet haben, was man vorbereiten kann. Der Termin wäre am 21. Dezember 1996 gewesen.

Wir hatten angefangen seine Wohnung einzurichten - dort wollten wir hinziehen. Ich hab noch nie - und danach nie wieder - so tolle und lautstarke Streitgespräche in der Öffentlichkeit geführt - wir hatten einen wahnsinnigen Spass.

Er war was besonderes.

Anfang Oktober dann bekamen wir die Diagnose: Morbus Hodgkin. Die Erfolgsaussichten waren gut - über 80 Prozent.

Die erste Chemo hätte er fast nicht überlebt - er wäre fast gestorben. Und er wollte so unbedingt Haare haben auf den Hochzeitsfotos - er war immer so eitel - selbst zum Müll rausbringen musste erstmal 3 Stunden im Bad vor dem Spiegel stehen. Also haben wir die Hochzeit verschoben. Wegen seiner Haare und weil die zweite Chemo kurz vor Weihnachten sein sollte.

Die zweite Chemo überstand er ohne Probleme - ihm war nicht mal übel - dafür schickte er seine Mutter im Dezember auf die Suche nach frischen Erdbeeren. Er war ein katastrophaler Kranker - schon mit Schnupfen zum Sterben und ein schrecklicher Jammerlappen - der sich von Mama verwöhnen lassen wollte :-)

Im Jänner dann sollte ich ins Krankenhaus - ich wollte nicht - aber die zweite Chemo verlief so gut und wir vereinbarten, dass ich meinen Aufenthalt hinter mich bringe und er die Chemo und dass wir danach heiraten würden.

Ich hab ihn dann nur noch einmal im April gesehen - es war ein Abschied. Die Ärzte gaben ihm noch wenige Wochen - und ich durfte für 3 Tage zu ihm fahren (ok 1 Tag ging für Hin- und Rückfahrt drauf).

Wir haben uns von der ersten Minute an gestritten - ich konnte ihm nichts recht machen. Und so viel Erfahrung ich in der Sterbebegleitung hatte - ich verstand auch seine Wut und alles - aber ich bekam es nicht getrennt.

Also hab ich am 2. Tag meine Sachen gepackt und bin zu einer Bekannten gezogen. Er war sauer. Aber ich hielt die ganze Streiterei einfach nicht mehr aus.

Er verweigerte ans Telefon zu gehen - und irgendwann war ich auch sauer.

Aber ich versuchte weiter ihn zu erreichen - ohne Erfolg. Irgendwann rief ich bei seiner Mutter an. Am 29. Mai 1997 - Fronleichnam - ich kam grad von der Tennisstunde, die im KH angeboten wurde.

Und sie sagte mir, dass sie ihn am Di beerdigt hätten.

Ich war geschockt - ich war so wütend, dass er sich verleugnen lässt und erfahre, dass er am 24. Mai um 17 Uhr verstorben ist und am Di beerdigt wurde. Warum hatte mich niemand angerufen?

Die Mutter gab mir die Schuld - wenn ich nicht mit ihm gestritten hätte, hätte er nicht aufgegeben - dabei hatte er schon lange vorher aufgegeben.

Mir sollten wohl Freunde Bescheid geben, doch die trauten sich nicht - immerhin war ich ja in einer Psychosomatik. Doch warum haben sie nicht die Ärzte informiert oder so - wenn sie Angst hatten? So war es sicher nicht besser.

Ich konnte nicht zur Beerdigung.

Als ich im KH die Therapeutin informierte war sie total überrascht - sie dachte er wäre einfach nur ein Freund gewesen, nicht dass da mehr war. Ich war mir sicher, dass sie Bescheid wusste - warum hätte ich sonst diesen Sonderurlaub bekommen können? Aber offensichtlich sah sie das anders.

Heute weiß ich, dass ich ihn nicht geliebt habe - und er mich auch nicht - wir hatten eine Art Seelenverwandschaft - wir konnten über alles reden - es gab kein Tabuthema - und wir hatten sehr viel Spass. Vielleicht waren wir sogar ein bisschen verliebt - aber eigentlich "passten" wir nur zusammen - wir waren beide so verkorkst - dass wir gar nicht in der Lage waren zu lieben.

Er war ein eitler Tropf - ein liebevoller eitler Tropf - seine Eitelkeit trieb mich oft zum Wahnsinn - er konnte Stunden im Bad zubringen.

Ich vermisse ihn - immer noch. Es tut heute nicht mehr so weh wie damals - denn damals hatte ich keine Zeit für Trauer - doch die letzten 3 Jahre ist es nicht mehr so, dass es wirklich ein Problem ist - es ist halt traurig - aber ich glaube mein Trauerprozess ist abgeschlossen.

Es ist eine Erinnerung - er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Mittwoch, 23. September 2009

anstrengend

Wieder mal eine Phase wo kaum was geht, schon Kleinigkeiten so anstrengend sind, dass man sich dreimal überlegt ob es notwenig ist (und das fängt schon damit an, dass ich ernsthaft überlege ob ein Toilettengang wirklich so dringend nötig ist oder doch noch warten kann) und wenn man dann was tun muss (sich z. Bsp. aus der Hängematten schälen um ins Bad zu gehen) alles so zu viel ist, dass man am liebsten zu heulen anfangen möchte.

Der Lärm einer Baustelle von draussen mit dem Kreisen eines nicht identifizierten Gerätes seit zwei Stunden macht es nicht grad einfacher.

Das Gefühl alles in einem ist grad so angspannt, dass der kleinste Windhauch reicht um es reissen zu lassen, das Skills nur noch anstrengend sind (aber wenigstens noch ein bisschen funktionieren solange es dann gelingt mich vor der Welt um mich herum zu verschliessen) und eigentlich nur noch ein "will mich verkriechen und nix mehr hören oder sehen" da ist - das ist ein leider nur allzu bekanntes Gefühl.

Idealerweise würde ich also einfach die Welt aussperren, mich auf mich konzentrieren, mir was Gutes tun und mich sozusagen um mich kümmern und sorgen.

Realistischerweise versuche ich möglichst viel Welt auszusperren (also keine Kontakte nach aussen - dann gibts auch keine weiteren - von ausserhalb ausgelösten - Krisen), mir zumindest nicht zu schafen und vielleicht schaffe ich es sogar, mir was leckeres zu Essen zu machen und mich mit einem guten Buch zurückzuziehen (die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt).

Ich habe eine meiner Grenzen erreicht, die Situation ist unklar und im Moment kann ich nicht viel mehr tun als abwarten - und hoffen, dass sich alles wieder einpendelt und einrenkt.

Gestern abend hat die Vetretung des Theras angerufen - war so vereinbart - und er wird auch heute abend anrufen - morgen sehen wir uns dann und für Freitag müssen wir dann schauen. Im Moment hangel ich mich von Tag zu Tag - wobei es mehr darum geht, den Kontakt zu mir nicht ganz zu verlieren und nicht vollends abzustürzen.

Alles ausgelöst durch ein Gespräch - und einer Unachtsamkeit, die leider massiv grenzüberschreitend war.

Dienstag, 22. September 2009

Grrrrrrrr

Heute der Termin beim anderen Betreuungsverein. Eine Frau wollte erstmal schon die Daten aufnehmen, da der Herr mit dem ich den Termin hatte sich verspätete.

Also hab ich erstmal gesagt, dass ich keinesfalls zu dritt sprechen möchte, dass ich das nicht kann. War wohl ok.

Dann kam der Herr und setzte sich zu uns - und diese blöde Kuh steht da und will sich setzen - nochmal der Hinweiss nicht zu dritt und sie nickt und setzt sich hin. Erzählt ihm dann das was ich schon gesagt hatte und wundert sich dass ich nichts sage - und irgendwann konnte ich es abbrechen - nur dass dummerweise dann der Herr ging und die blöde Kuh blieb.

Sorry - wie soll ich denn sagen, dass ich kein Gespräch zu dritt will - und ich war wirklich deutlich - damit das ankommt?

Mit der will ich nichts mehr zu tun haben - echt. Im Moment schaukelt sich das auf - sie wird fast sowas wie ein "Feindbild" - das ärgert mich auch. Irgendwie krieg ich das grad wieder mal nicht getrennt.

Donnerstag, 17. September 2009

war ja klar ...

1 Stunde nachdem ich hier geschrieben hab wie das mit der Betreuung so ist - und dass ich abwarten muss usw - kam ein Anruf:

Ich kann nicht zu dem gewünschten Betreuer wechseln, da der, den er aktuell betreut auch mitwechselt und damit sein Stundenkontingent voll ist.

Das war erstmal ein Tiefschlag, der mich auch recht aushebelte.

Und damit ist alles offen: klar ist - ich werde wechseln, aber völlig unklar wohin - sowohl Betreuungsverein als auch Betreuer.

Das bedeutet ein neu einlassen müssen - und im Moment weiss ich nicht ob ich das schaffe.

Wär ja auch zu schön gewesen.

Mittwoch, 16. September 2009

"Wie geht's dir?"

Das ist ja so eine Frage die mich oft ärgert. Die meisten wollen eh nur ein "gut" hören oder warten erst gar keine Antwort ab.

Einige Wenige möchten wirklich wissen wie es geht - und da ist das antworten oft auch nicht so einfach. Ich zähle nämlich zu den Menschen, die da ehrlich antworten.

Wenn es mir nicht gut geht - sage ich das auch, je nach dem wer fragt auch mal geschönt: geht so, könnte schlechter sein, ging schon mal besser, usw.

Nur "ganz schlecht" - sage ich seltenst - einfach weil ich mir das selbst nicht eingestehen will. Wenn wirklich großes Chaos kommt meist ein "ich lebe noch" - und überlasse es dem Gegenüber zu schauen was er daraus macht.

Am Schlimmsten finde ich diese Frage aber, wenn ich es einfach selbst nicht weiss.

Es gibt Tage, da fühle ich mich so zwar nicht so schlecht, weiss aber dass es mir schlecht geht, weil ich Verhaltensweisen an den Tag lege, die genau das zeigen - das sind die Tage, an denen ich einfach so vor mich hinlebe und erst gar nicht anfangen will mich mit mir selbst auseinander zu setzen.

Zur Zeit gibt es wieder mal diese Phase - ich merke, dass ich davonlaufe, mich ständig beschäftige und damit hoffnungslos überfordere - vor allem körperlich. Stelle fest, dass Kleinigkeiten kleine Krisen auslösen - nur sehr kleine, aber es zeigt, dass der Boden unter mir wackelt. Ein Satz im Fernsehen kann Tränen auslösen, eine angebrannte Sosse ebenso (und das ist leider ein Zeichen dafür, dass ganz dringend ein STOP angesagt ist, ich meine Grenze doch deutlich erreicht hab und eher drüber bin).

Das alles sehe ich, nehme es wahr, verstehe es, kann es "lesen" und doch krieg ich kein Stop hin (was wiederum zeigt, dass ich die Grenze bereits hinter mir gelassen hab) und laufe weiter davon - nur um mich nicht mit mir auseinandersetzen zu müssen. Ausserdem fühlt es sich nicht schlimm an.

Vermutlich machen das die meisten Menschen - erst innehalten, wenn der Körper streikt. Doch wenn ich nicht aufpasse, hebelt es mich völlig aus - mit Riesenkatastrophe und im schlimmsten Fall stationärem Aufenthalt - sozusagen einem "Zwangs-Stop".

All das weiss ich, hab ich - unzählige Male - erfahren, doch etwas in mir weigert sich zu sagen "geht grad nicht so gut".

Lieber verfalle ich in blinden Aktionismus und warte bis der Körper streikt - endgültig (denn so dieses bisschen streiken tut er ja schon mind. eine Woche).

Also versuch ich Plan B: keine weiteren Termine ausmachen (außer die Standard), keine Extras, nächste Woche nicht unbedingt Nötiges absagen oder verschieben, kein "einfach losfahren um einzukaufen, was zu erledigen, organisieren usw", keine größeren Aktionen oder Extras - sondern Ruhe, viel Zeit zu Hause, abends wieder bewusste "Auszeiten" mit Entspannungsübungen und Musik und guten Büchern, früh ins Bett gehen und schlafen.

Und Hoffen, dass sich das alles wieder einpendelt (doch das sehe ich optimistisch wenn ich denn wirklich Ruhe gebe).

Ungewissheit ...

... zählt zu den Dingen, mit denen ich nicht gut umgehen kann.

Die Aussprache mit dem Betreuer war gut, verlief wirklich sehr positiv. Doch es ändert nichts daran, dass ich den Betreuer wechseln will und werde.

Dazu kommt, dass der aktuelle Betreuungsverein ihr Konzept ändert - alle aktuellen Betreuer, die zur Zeit noch als Selbständige dort arbeiten werden zum 1.12. gekündigt. Ab da werden nur noch angestellte Betreuer eingesetzt - die bisher selbständigen können sich für eine Stelle bewerben. Da es aber sehr viel weniger Geld geben wird, hören die meisten auf oder wechseln zu anderen Betreuungsvereinen.

Noch ist unklar, welche Betreuer bleiben - daher kann mir der Verein gar niemanden anbieten.

Im Moment bedeutet das: Abwarten

1. bis die Vertretung weiss wo hin sie wechselt
2. erst wenn ich 1. weiss, kann ich beim neuen Arbeitgeber von ihm eine Betreuung beantragen
3. die müssen dann mit dem Landkreis streiten - und das wird vermutlich wieder mal ein harter Kampf (und ich gestehe, ich hoffe dass es diesmal ganz anders läuft und der Wechsel und die Verlängerung problemlos durchgeht - aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist halt leider arg gering)
4. der Wechsel wird zum 1.11. oder 1.12. stattfinden - und es kann sein, dass sich der Landkreis weigert vorher zu entscheiden und diesen Wechsel abwarten will (um es dann abzulehnen oder ähnliches)

Mit etwas Glück ist 1. innerhalb der nächsten Woche klar. Dann kann das Erstgespräch bei anderen Betreuungsvereinen stattfinden und wenn klar ist wo ich hingehe, auch die Kündigung an den aktuellen Verein (und das Auseinandersetzen mit der Koordinatorin, die einfach nur wahnsinnig nerven kann - doch da ich dann ja nichts mehr von ihr möchte - werde ich das eher kurz und schmerzlos gestalten - wenn sie nervt - kriegt sie gar kein Gespräch mit mir).

Donnerstag, 10. September 2009

Wohnung und Alltag - Teil 3

Wenn etwas schief läuft, sollte man sehen ob man was ändern kann.

Und das hab ich gemacht. Ich hab das Thema in der Therapie aufgegriffen, versucht rauszufinden woran es lag, dass es mit der Vertretung einfach fluppt und was denn da anders ist usw.

Es war ziemlich harte Arbeit - vor allem auch weil es schmerzhaft ist. Ich mag meinen Betreuer, finde ihn sympatisch und er macht ja nichts "falsch". Und es ist schmerzhaft sich selbst einzugestehen, dass man mit jemanden nur spielt, ihn nicht ernst nimmt, ihn abblitzen lässt.

Irgendwann wurde klar, dass die Vertretung einfach ein anderes Naturell hat - er geht aus sich raus, ist lebendiger - einfach extrovertierter, während mein Betreuer introvertiert ist und ruhig, Zweifel oder Unsicherheiten nicht anspricht sondern versucht sich noch mehr zurückzunehmen.

Und es wurde klar - wir brauchen eine Aussprache. Leider wurde für mich auch klar, es geht nicht darum was groß zu klären oder ändern, sondern wirklich um sein - für mich zu ruhiges - Naturell - so dass es für mich auch um einen Betreuerwechsel geht.

Nach langem hin und her, hab ich mich entschieden ihm eine mail zu schreiben - ich kann mich im direkten Gespräch nicht so ausdrücken und ihm das dirket zu geben - er ist jemand, der seine Empfindungen nicht gut verbergen kann und ich möchte ihm die Möglichkeit geben, es für sich erstmal setzen zu lassen.

Also hat er heute eine mail geschickt bekommen und morgen haben wir einen Termin, der der großen Aussprache dienen soll. Einerseits fürcht ich mich davor - ist ja immer unangenehm, andererseits bin ich froh.

Ich bin jemand, der Sachen klären will, der sie normalerweise auch schnell anspricht - warum ich das diesmal nicht gemacht hab - weiss ich nicht genau.

Ausserdem ist unklar wie es weitergeht - denn der Betreuungsverein wo ich jetzt bin, wird mir keine Alternative anbieten können. Die Vertretung wird erst bis Ende September für sich klären können ob er weiter bei diesem Verein bleibt oder wechselt. Wenn er wechselt - werde ich mit wechseln, wenn er bleibt muss ich sehen wie es laufen wird.

Erstmal möchte ich es mit meinem Betreuer klären.

Es fällt mir immer noch schwer mir einzugestehen, dass ich es alleine nicht schaffe, Hilfe brauche - und auch Hilfe in doch großem Ausmass auch. Aber ich bin froh, dass es diese Hilfe auch gibt. Und ich muss für mich schauen, dass sie mir auch gut tut, sie meinen Bedürfnissen entspricht.

Wohnung und Alltag - Teil 2

Wir fingen also Ende Juli wieder mit der Betreuung an - auch der selbe Betreuuer. Doch irgendwie lief es nicht. Ich hatte total dicht gemacht.

Das merkte ich auch, aber ich konnte es nicht ändern. Was die Wohnung anging - da baute sich einfach nur ein wahnsinniger Druck auf, irgendwie hatten wir uns auch nichts zu sagen und so passierte es, dass der Betreuuer nach und nach eher zum Fahrer "degradiert" wurde.

Dann fuhr er in Urlaub und ich dachte nur: Gott sei Dank - erstmal Ruhe.

Nur das ist nicht Sinn der Sache - zu Hause war immer noch das Chaos - und zwar in einem Masse dass es nicht nur "unordentlich" ist (und meine Ansprüche sind da nicht hoch - sondern eher sehr niedrig) - und ich sass da und wusste nicht weiter.

Ich wusste, dass der Betreuer nichts machen kann, wenn ich ihn so abblitzen lasse, aber ich konnte mich nicht einlassen. Und ich dachte, dass es an mir liegt, dass ich mich generell auf die Betreuung nicht einlassen kann, weiss ja auch nicht ob es dann nach Dezember weiter geht usw.

Es ist für mich schwierig, jemanden in die Wohnung zu lassen (auch unabhängig vom Chaos dort - auch in aufgeräumter Wohnung ist das oft problematisch) und ich hab es kaum geschafft den Betreuer in die Wohnung zu lassen.

Für den Großeinkauf Ende August haben wir eine Vertretung organisiert. Da konnte ja nicht schief gehen - wenn ich mich nicht damit verstehe - egal - wir müssen ja nicht miteinander reden.

Trotzdem war ich aufgeregt - ich kannte ihn ja gar nicht und Einkaufen ist für mich immer sehr schwierig.

Doch irgendwie war da von Anfang an kein Problem - wir haben uns super verstanden, es war dann auch kein Thema dass er in die Wohnung kommt (obwohl vorab abgesprochen war, dass er nicht rein kann) oder dass ich mich auf irgendwas einlasse - es lief einfach.

Wir haben dann weitere Termine als Urlaubsvertretung ausgemacht. Und plötzlich lief es wie am Schnürchen. Die Wohnung haben wir innerhalb von 3 Terminen grundgereinigt, inklusive Umräumen der Küche und Co.

Konnte ich mit meinem Betreuer in der Wohnung nichts hinkriegen - lief es da fast wie von selbst. Er wusste nach einer Woche mehr von mir als mein eigentlicher Betreuer nach einem Jahr.

Gibt es noch was deutlichers das sagt: irgenwas läuft wohl falsch?

Wohnung und Alltag - Teil 1

Es ist ja nun mal leider so, dass ich in der Wohnung nicht immer alles hinkriege. Genaugenommen ist es sogar selten so, dass ich es schaffe. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich vor gut einem Jahr eine Betreuung beantragt habe.

Zum einen schaff ich es körperlich oft nicht so wie ich möchte, aber auch die Psyche macht mir oft einen Strich durch die Rechnung. Schon bei Kleinigkeiten kommt es vor, dass sich dann so ein Druck aufbaut.

Ein Druck mich selbst zu verletzen - und ich muss dann aufpassen, dass es nicht kippt, dass es zu keinen Handlungen kommt und ich dem Druck auch was entgegensetzen kann. Da bleibt dann das was ich eigentlich in der Wohnung machen wollte - zwangsläufig - liegen.

Und wenn das eine Weile so ist, dann kommt irgenwann der Punkt, an dem ich nicht mehr hinter her komme - an dem alles zu viel ist, für mich nicht mehr zu schaffen.

Schon kurz vor dem Punkt wird es schwierig - weil ich es sehe, erkenne und mir damit dann selbst wahnsinnigen Druck mache: "ich MUSS das jetzt schaffen, sonst geht bald gar nichts mehr" usw.

Mit Hilfe des Betreuers klappte es mehr schlecht als recht. Doch dann kam Ende April das "aus" - die Betreuung wurde nicht weiter verlängert.

Der Grund: ich würde meiner Mitwirkungspflicht nicht nachkommen

Denn für die Genehmigung hätte ich zum Gutachten gemusst. Nun schaff ich das nicht - es gibt unzählige Gutachten, dass ich nicht begutachtungsfähig bin und ein Termin beim Gutachter eine Retraumatisierung darstellen würde usw. Selbst der deutsche und der österr. Rentenversicherer akzeptiert diese Gutachten.

Aber der Landkreis sieht das anders. Also wurde überlegt, dass wir den Termin mit meinem Therapeuten machen, die Gutachterin dann sieht, dass ich eben nichts sagen kann, nur erstarre und nichts mehr geht - der Therapeut das dann auch klar stellt und die Gutachterin "wegschickt" und versucht dann das irgendwie abzufangen - inkl. der Option, dass ich dafür dann stationär gehe.

In der Situation wäre es so, dass ich einfach erstarren würde, ich würde dissoziieren, nichts mitkriegen und einfach erstarrt dasitzen - nicht mehr reagieren können. Ich kenn das ja und arbeite ja auch dran, aber die Fortschritte sind sehr sehr klein (zugegeben - es gibt auch andere und dringendere Themen die auch anstehen).

Aber wir dachten, wenn die das dann sieht - dann könnte sie mir nicht mehr vorwerfen, ich wolle ja nur nicht.

Doch dann stellte sich (Gott sei Dank bevor wir das dann auch umsetzen) - dass es nicht darum geht, dass sie das sieht - sie möchte von mir Antworten. Ich muss mit ihr reden.

Nur das geht nicht - mir wäre auch lieber ich würde das hinkriegen.

Das Ende vom Lied war - dass mir wegen Verweigerung der Mitwirkungspflich (begründet darin, dass sie sagten, dass ich ja auch mit anderen Personen wie meinem Thera und Betreuer reden würde - dass es aber um das Gutachten an sich geht war nicht klar zu machen), die Verlängerung verweigert wurde.

Natürlich wurde mir das auch am 30. April gesagt - die Betreuung war bis zum 30. April genehmigt - ich stand also plötzlich vor dem "aus" (obwohl alle meinten, natürlich würde es weitergehen, der Bedarf sei ja klar - der wurde auch nicht angezweifelt - usw).

Und ich sah mich im Chaos. Ein Jahr zuvor bin ich mit Hilfe aus der alten Wohnung raus und in eine Neue - unter anderem weil die alte Wohnung im Chaos war. Dazu kam, dass es nicht nur Unordnung war, sondern - unabhängig davon - auch viele bauliche Mägel gab, es war eine feuchte Kellerwohnung, in der es z.Bsp nur eine Sicherung für die gesamte Wohnung gab und kein Sicherungskasten für mich zugänglich, der war nur für den Vermieter zugänglich. Eine Sicherung bedeutet aber auch: das Anschalten des Wasserkochers lässt die Sicherung fliegen, wenn der Kühlschrank anspringt, flackert kurz das Licht usw.

Ohne Hilfe bin ich damals in meiner Wohnung schlicht "versumpft".

Und das sah ich wieder vor mir - denn mir war klar, ohne Hilfe schaff ich es nicht - deshalb hatte ich mir ja - nach großer Überwindung - Hilfe geholt.

Es waren 2 1/2 Monate und ich war entsetzt wie eine Wohnung aussieht, wenn man 2 Monate nichts schafft, vielleicht grad mal was abgewaschen bekommt und irgendwann nur noch versucht, das Chaos nicht noch schlimmer werden zu lassen.

Nach 2 1/2 Monaten kam dann ein Schreiben vom Landkreis, ob wir den eingereichten Widerspruch zurückziehen würden, wenn sie die Betreuung nochmal für 6 Monate genehmigen. Gerechnet ab Mai, nachzahlen dürfen sie aber nicht - also wäre es nochmal für 3 Monate gewesen.

Trotzdem haben wir natürlich zugesagt - hatten eh keine Wahl. Wir konnten erreichen, dass von den verlorenen fast 3 Monaten wenigstens 2 hinten dran gehängt werden - so dass ich jetzt bis Ende Dezember wieder eine Betreuung habe.

Wir - das ist der gesetzliche Betreuer für Behördensachen und ich.

Ich habe also eine gesetzliche Betreuung für alles was mit Behörden zu tun hat und für Wohnungangelegenheiten (habe letztes Jahr darum gebeten, es dafür zu erweitern), ausserdem eine ambulante Betreuung mit im Moment 6 Stunden die Woche.

Das ist ziemlich viel, aber ich merke, dass ich das aktuell auch noch brauche. Damit klappt es dann aber in der Regel auch.

Samstag, 22. August 2009

Impressum

Von Frau Kuni mit ihrer Genehmigung (vielen Dank!) übernommen:

In diesem Blog verarbeite ich nur "unkritische" und persönliche Inhalte, also keine unseriösen, gesetzwidrigen, pornographischen oder Ähnliches. Der Blog dient keinem gewerblichen Zweck. Ich distanziere mich ausdrücklich – wie es der Gesetzgeber fordert – von allen Links von und zu anderen Seiten.

Um Missbrauch vorzubeugen möchte ich darauf verzichten, meine Anschrift hier zu veröffentlichen. Wer – aus welchen Gründen auch immer – daran interessiert ist, meine Anschrift zu erfahren, kann sie gerne unter

alles-nur-psychisch [at] gmx.de erfragen.

Donnerstag, 20. August 2009

es geht auch anders

Heute Magenschmerzen, Erbrechen und Co - und nach sehr sehr langer Zeit den alten Hausarzt angerufen - und alles telefonisch regeln können.

Damals als ich hier her zog hab ich einen Hausarzt gesucht - mit meiner Problematik - vor allem damals ja deutlich schlimmer - nicht so einfach - er soll damit ja auch umgehen können.

Das war vor 11 Jahren - er hatte sich Zeit genommen, für den Ersttermin einen ausserhalb der Sprechzeiten angesetzt und mich danach auch nach Hause gefahren, da ich damals im Dunkeln nicht rauskonnte und er keinen anderen Termin anbieten konnte.

Wichtig waren mir damals : er macht im Notfall auch Hausbesuche und kann damit umgehen, dass ich mich nicht untersuchen lassen kann (fällt jedem Arzt schwer)

Ausserdem war mir wichtig, dass ich bei manchen körperlichen Beschwerden sicher war es ist psychisch - bei anderen sicher - nicht psychisch (und ich hab grade bei den "nicht psychisch" deutlich zu wenig angegeben - bei mir war ja immer alles psychisch - war vom Arzt teilweise ein Stück Arbeit mich dann zu überzeugen, dass da vielleicht doch was körperliches hinterstecken könnte).

Wir haben uns kennengelernt - und er darauf zu vertrauen, dass ich eigentlich ein recht gutes Gespür habe, aber wenn ich anrufe - es in der Regel wirklich schon brennt. In den 11 Jahren musste ich ihn einmal zu mir nach Hause rufen - abends nach 10 Uhr - wegen einer Gallenkolik. Auch da von seiner Seite sehr viel Gespür von "wie weit kann ich gehen" - denn damals konnte ich ihn nicht in die Wohnung lassen z.Bsp.

Zwischendrin hatten wir mal ein paar Querelen - was daran lag, dass seine Praxis überfüllt von Patienten ist - und er anfing, kleinere Sachen am Thresen abzufertigen - was für mich ein "no-go" ist - ebenso wurde eine zweite Ärztin eingebunden - und für mich ein "no-go" - dass ich zu ihr gehe - auch im Notfall nicht. Doch das liess sich klären - ich sprach es an und es war dann auch ok.

Auch Vereinbarungen wie "Blutabnehmen nur am Handrücken - keinesfalls in der Ellenbeuge" - lief mit der Zeit (auch wenn die Frage - wollen wir es nicht doch in der Ellenbeuge versuchen - jedesmal kam - nicht von ihm - und als er dann einen Zettel dran machte - war das auch erledigt)

Die letzten Jahre liefen die meisten Sachen dann telefonisch - wenn Unklarheiten waren musste ich vorbeikommen - doch da ich mich ja ausser abhören eh nicht groß untersuchen liess - konnten wir das meiste telefonisch klären.

Und wenn ich sage: hat keine psychische Komponente - glaubt er mir das genauso, als wenn ich sagen würde: glaube ist grad wieder mehr psychisch bedingt.

Beides nimmt er ernst - auch die psychisch bedingten werden behandelt - wenn nötig. Denn die Symptomatik ist ja da.

Weil er am alten Wohnort ist, hab ich Schwierigkeiten hinzufahren - nicht mal so sehr fahrtechnisch - sondern es aushalten zu können, dass ich dort bin. Deshalb hab ich mir in der Stadt jemand gesucht.

Aber so Telefonate wie heute zeigen mir - dass es mit dem alten einfach im Notfall auch funktioniert - er sich auch ohne nähere Untersuchungen einlässt, im Vertrauen darauf, dass ich ihm alles gesagt hab und mich schon melde wenn es Probleme gibt mit der aufgeschriebenen Medikation.

Und ich merke - er stopft mich nicht in eine Schublade, nimmt jede Beschwerden ernst und denkt nicht gleich "die spinnt ja eh" - übrigens war es auch er, der mir den Tipp gab mit den Gelenkbeschwerden und Schmerzen mal zum Rheumatologen zu gehen - und gleich gezielt nach Weichteilrheuma bzw Fibro zu fragen - das hätte ich sonst nicht gemacht, da ich ja schon vorher mal beim Rheumatologen war - und zu hören bekam, dass sich meine Gelenke ja gut bewegen liesen und kein Rheumafaktor erhöht und deshalb ist alles nur psychisch (übrigens auch erst, nachdem ich ein Schreiben meines Psychiaters bei hatte, dass eben aufgrund meiner Vorgeschichte, Untersuchungen sich manchmal etwas schwierig gestalten)

Mein Hausarzt ist Internist - ich mag ihn, weil er mich ernst nimmt, bin dennoch selten nur bei ihm - in der Regel nur das Rezept für das Schilddrüsenmittel schicken lassen - leider ist er schon alt - und ich hab Angst dass er seine Praxis bald schliesst (und die zweite Ärztin sie übernimmt - Ärztinnen sind aber - wegen meiner Vorgeschichte - ein "no-go")

Montag, 17. August 2009

Schwimmen

Früher bin ich zweimal die Woche zum Schwimmen gegangen - das hat mir gut getan - auch wenn ich es nur hinkriege, wenn ich den mp3-Player im Ohr habe um die ganzen Leute ausblenden zu können.

Schon vor dem Umzug war das nicht mehr möglich - die Karte war leer und das Geld für den Umzug nötig. Auch seit dem Umzug kann ich mir das selbst nicht wirklich leisten - ich zahle immer noch ab - und das wird auch noch mind. 1 Jahr so weitergehen.

Seit ein paar Monaten schon gehe ich deshalb montags mit dem Sozialzentrum schwimmen - das ist vom KH aus - die übernehmen den Eintritt für eine Stunde und wann immer ich das zeitlich unterkriege (und fahrtechnisch) - versuche ich das wahrzunehmen.

Im Prinzip trifft man sich beim Schwimmbad, trägt sich in eine Liste ein und bekommt dann die Karte. Im Schwimmbad ist man auf sich gestellt (ausser man braucht Hilfe - dann ist eben jemand da, der als Ansprechpartner dient) - und nach einer Stunde guckt der draussen ob alle raus sind. Ab und an hänge ich eine halbe Stunde dran, die ich dann nachzahle - das lässt sich - wenn ich das mit dem dafür Zuständigen abspreche - in der Regel auch machen.

Anfangs hatte ich Angst - vor den Blicken der anderen - oder auch vor dem Schwimmbadpersonal - das mich ja auch vom Sehen kennt - und da dann mit dieser Gruppe - wo klar ist wo die herkommt - aus der Psychiatrie - aufzutauchen - es war schwierig für mich.

Heute sehe ich das lockerer - ich geniesse das Schwimmen - auch wenn die Zeit die gewählt ist, oft ungünstig ist - einfach weil viele Leute da sind.

Vor 3 Wochen etwa ist mein mp3-Player kaputt gegangen - es geht nur noch einer der Kopfhörer - und da bei anderen die Drähte blank liegen - bin ich eher unsicher - trotzdem nehm ich ihn mit - für nächsten Monat wird es - hoffentlich - einen neuen wasserdichten geben.

Denn auffällig ist, dass es ohne gar nicht geht und mit nur einem Ohr zugestöpselt auch nicht so richtig gut (aber besser als ohne) - da kommt dann die Sozialphobie doch voll durch - so ohne Ablenkung und Möglichkeit "die Welt auszusperren".

Der Umgang mit meinem Körper - im Schwimmbad auch einfach präsent - tut sein übriges um es doch zu einem anstrengenden Unterfangen zu machen.

Aber es geht - im Wasser fühl ich mich wohl und kann das Element auch für mich nutzen. Und deshalb werd ich da weiter mitmachen.

Auch wenn das Aufraffen jedes Mal auf Neue eine Überwindung ist - weiss ich ja, dass ich - sobald ich dort bin - ist auch dieses "überwinden müssen" weg - und ich geniesse das Schwimmen.

Die große Konfrontation mit der Gesellschaft - als stark übergewichtige Frau, noch dazu mit Krücken rumlaufend - im Schwimmbar - und dann kommt sie auch noch mit der Psychiatrie-Gruppe - eh klar.

Wobei beim Schwimmen tatsächlich das Gewicht deutlich mehr Aufsehen erregt.

Mittwoch, 12. August 2009

Wundersame Gesundung?

Die für mich erschreckenste Erfahrung zum Thema des Blogs machte ich vor gut 10 Jahren.

Es war Winter und ein Sturz bescherte mir ein kaputtes Knie - Kapsel, Band, Miniskus waren hin.

Da ja unterwegs wurde ich erstmal ins KH eingeliefert - das Röngtenbild war - lt. Arzt weil ich das Knie ja nicht bewegen ließ (hey das tat richtig weh und war ja auch schön dick und die Röngtentante war eh schon grantig) - nicht aussagekräftig genug und ich wurde mit Schiene, Krücken und Schmerzmittel nach Hause geschickt mit dem Hinweis bei Verschlechterung sofort zu kommen und sonst am nächsten Tag den Orthopäden aufzusuchen (war ja auch schon spät abends)

Ein Kurzbrief sprach von Verdacht auf Bänderriss.

Am nächsten Tag Orthopäde, der nach erneutem Röngten gleich von OP sprach - was ich erstmal einfach ablehnte - dazu muss ich sagen, dass ich einen befreundeten Arzt angerufen hatte und der meinte - erstmal abwarten - operieren kann man dann immer noch.

Der Orthopäde war etwas vergrätzt - aber ich kann ja stur sein und ließ mich auch bei den Folgeterminen nicht zur OP überreden. Bei ihm war ich mind 3 mal die Woche und ich weiss nicht wie oft das Knie punktiert werden musste um da allerlei an Flüssigkeiten rauszuholen (auch der Arzt sah das nicht mehr ganz so locker wie noch die ersten beiden Male).

Aber er war sicher, dass die oben genannten Kniebestandteile putt waren. Das zog sich eine ganze Weile und die Heilung verlief etwas langsam. Physiotherapie im Sinne von Kniemassagen und passive Bewegungen usw. war für mich mühsam aber was muss das muss.

Der Orthopäde mahnte mich immer wieder zur Geduld - irgendwann ging ich dann auch wieder arbeiten - aber halt nur sitzende Arbeiten. Die Schiene hasste ich - die scheuerte und die wunden Stellen taten zusätzlich weh.

Soweit war alles im Rahmen.

Dann kam ein Anruf auf den ich schon viele Monate gewartet hatte - ich hatte mich nämlich für eine stationäre Behandlung in einer Psychosomatischen Klinik entschieden - dort ist nicht nur eine Psychosomatik, sondern es ist eine psychiatrische Klinik die von Kindern bis Erwachsene alles aufnahm (natürlich in entsprechenden Stationen) und die vor allem ein sehr gutes Programm für Arbeitstherapie hatte (hieß es jedenfalls). Da ich ja schon beim vorigen KH-Aufenthalt mich geweigert hab Rente zu beantragen - war halt der typ. Workaholic und grad mal Anfang 20) - war mir grade das sehr wichtig - da auch ich eingesehen hab, dass ich das mit der Arbeit einfach nicht so hinkriege wie ich gerne wollte - und für mich unklar war - warum das so ist.

Kurz und gut - der Anruf kam am Freitag Nachmittag - und ich sollte Di früh auflaufen - nur dass die Klinik ca 7 Stunden von mir entfernt war. Also erstmal mit der Klinik gesprochen, dass ich es einfach nicht bis 10 Uhr schaffen kann (war dann auch kein Thema) und dann die Arbeit angerufen, dass ich ab Mo nicht mehr komme - denn am Mo war dann noch mal Orthopäde dran und ich musste ja auch sonst noch so einiges organisieren. Auch vom Hausarzt wollte ich wenigstens einen Kurzbrief.

Am Montag humpelte ich also zum Orthopäden, erzählte ihm, dass ich ja ab morgen in die Klinik gehe und deshalb einen Arztbrief brauche wegen der weiteren Behandlung des Knies. Er fragte nach welche Klinik und als er höre Psychosomatische Klinik so und so - war es irgendwie vorbei.

Sein Gesichtsausdruck erstarrte - er war kurz angebunden, meinte den Kurzbrief könne ich in einer halben Stunde abholen und auf meine Frage wie es denn dort weitergehen soll - grad auch mit Physio usw - meinte er nur, das würden dann die entscheiden.

Der Kurzbrief war natürlich im verschlossenen Umschlag und auf meine Frage ob ich ihn lesen könnte, hiess es nur: nein der sei nur für den weiterbehandelnden Arzt.

Ich hab das in dem Moment so hingenommen, wusste ja eh nicht wo mir der Kopf stand.

Erst auf dem Weg zum KH las ich ihn mir durch und dachte mich trifft der Schlag: es war der Kurzbrief, denn das KH damals für den Orthopäden mitgab - und ein Zweizeiler der eine starke Bänderzerrung diagnostizierte.

Das stand ich nun - und wusste nicht was tun - da kommt man in ein KH - das einen nicht kennt, und hat einen Kurzbrief bei der einen als weiss was ich hinstellt.

Also hab ich den erst gar nicht abgegeben und beim Orthopäden einen ausführlichen Arztbrief angefordert (der dann auch nach 6 Wochen kam - welch Wunder) - irritierend war - auch in dem stand nicht alles (aber immerhin nicht nur Verdacht auf ...).

Mittlerweile hatte ich dort ja weiter Physio gemacht und diese Physiotherapeuten veranlasste dann, dass die Röngtenbilder und sonstigen Untersuchungsergebnisse angefordert werden - und siehe da plötzlich waren es wieder die Diagnosen - die der Orthopäde ursprünglich gestellt hatte.

Allein das Erwähnen, dass man in eine psychosomatische Klinik geht - reichte um aus einem kaputten Knie - um das er sich vorher auch sichtlich Sorgen gemacht hat - ein "die hat mir sicher nur was vorgemacht" zu machen (was mich natürlich bis heute nachdenklich macht - er hatte ja Bilder die - nach seiner Aussage - eine eindeutige Diagnose zuließen.

Auch der Arzt im KH war irritiert - nach dem hin und her hab ich ihm nämlich auch den Kurzbrief gegeben.

Als Patient fühlte ich mich völlig verunsichert. Ich sass da, es ging mir nicht gut und ich fragte mich ernsthaft ob mein Knie nun wirklich was hat oder mir wirklich mein Körper so einen Streich spielt - all das Punktieren, das nötig war und auch die sichtbare Schwellung und vom Physiotherapeuten auch bestätigte eingeschränkte Beweglichkeit - galt nichts mehr.

Ich - die eh ständig dazu tendiert - alles in die Psychoecke zu schieben (klar - wenn es psychisch ist, ist es doch gut - da kann ich was machen und der Körper funktioniert ja eigentlich, wenn ich die Psychoseite in den Griff kriege) - ließ mich durch diesen doofen Orthopäden so an mir selbst Zweifeln, dass natürlich auch das Knie was abbekam (denn wenn das eh nix ist, dann geht das auch ohne Schiene und ohne Krücken und überhaupt - dass das Knie das anders sah - wurde da von mir ziemlich oft ignoriert) - und die Heilung dauerte entsprechend länger. Egal was unabhängige Untersuchungsergebnisse (wurde natürlich vom KH angeordnet, da ja vom Orthopäden so lange nichts kam) ja bestätigten dass die Diagnosen stimmten.

Leider hab ich diesen Arzt dann nie darauf angesprochen - ich war da ja ein Jahr dann im KH und bin direkt danach umgezogen - außerdem hatte ich damals mehr als genug andere Probleme

Montag, 10. August 2009

Neue Woche - neue Start

Nachdem ich mir für das WE vorgenommen hatte nichts zu tun (um aus dem eigentlich müsste ich ... rauszukommen) - und das auch tatsächlich eingehalten hab (naja kleine Sachen in Küche - aber man muss ja essen), hab ich heute die Kartons in Angriff genommen (und noch gleich etwas Altpapiert eingesammelt und in der Küche ein bisschen Platz geschaffen - und ja ich weiss - das war nicht abgemacht, aber ich konnte nicht anders und es war dann auch ok) - die stehen jetzt bereit zum Mitnehmen und werden heute noch mitgegeben (W. will die ja haben um seine Ebay-Sachen verschicken zu können)

Im Prinzip fühl ich mich heute ganz gut - etwas müde, was wohl daran liegt, dass ich seit Freitag sehr schlecht und wenig schlafe - abends ewig lange wach und unruhig, morgens schon recht früh wach, doch dann nach wenigen Minuten wieder total müde so dass ich meist noch ein oder zwei Stunden dranhänge - aber die letzten Tage waren nur müde, geschafft, groggy. Das ist heute ein klein wenig besser (und heut abend werd ich sicherheitshalber dennoch eine Einschlafhilfe nehmen - da morgen Tischlerei und Thera anstehen) - und das hellt auch die Stimmung gleich etwas auf.

Ausserdem - ich hab heut etwas geschafft - das mit den Kartons liegt mir ja schon eine Weile im Magen.

Nachher kommt der Betreuer - und dann der 8. Hypnosetermin - dem seh ich etwas zwiespältig entgegen.

Geplant waren die ja um an mehr Erinnerungen zu kommen - das ist zwar heute nicht mehr so das Thema, aber dennoch möchte ich das heute wieder aufgreifen - bisher lies sich der Hypnotherapeut nicht so recht ein (vom Prinzip her gut - denn er ist vorsichtig und kennt mich nun ja nicht so gut, aber da er ja mit meinem Thera zusammenarbeitet - sonst hätt ich das ja gar nicht gemacht - versteh ich die Vorsicht nicht so recht und bin daher eher etwas enttäuscht von den bisherigen Terminen - 10 waren ausgemacht - mal sehen was der heutige und die kommenden noch bringen werden)

Den wollte ich dann auch nochmal ansprechen wegen der Zahnarztphobie - denn da es keine Vollnarkose mehr für gibt von der Kasse - muss ich mir was einfallen lassen. Und der Hypnosetherapeut hatte das damals ja vorgeschlagen (ich hab das damals abgelehnt um nicht zu viel Zeit dafür zu verlieren - ging es mir ja um Erinnerungen - heut frag ich mich ob das so richtig war)

Geplant ist nach dem Termin noch kurz Aufschreiben was im Termin so war und dann "Auszeit" - also nur Zeit für mich - vielleicht ein lecker Eis oder Kakao (mal sehen was ich dann mag), ein gutes Buch und ein warmes ins Bett kuschlen zum lesen. Eventuell noch eine Entspannungsübung von Cd.

Das mit den Entspannungsübungen möchte ich übrigens wieder regelmässiger einführen - das hat vor Jahren meine jahrelangen Schlafstörungen beendet - regelmässige Entspannungsübungen abends vor dem Schlafen - und mir dafür mind 1 Stunde Zeit nehmen. Und danach auch nichts mehr - zusammen mit dem Lesen wurde das dann ein Ritual von 2 - 4 Stunden - je nach Zeit und Laune.

Die ersten 6 Monate waren eher eine Qual (mach mal eine Entspannungsübung wenn man grummelnd da sitzt weil man nicht zur Ruhe kommt) - doch das Durchhalten und die Konsequenz hat sich gelohnt. Das erste Jahr sehr konsequent, das zweite immer noch ziemlich konsequent (nur die Zeit wurde variabler - auch mal nur eine halbe Stunde - die meisten meiner Übungen dauern ja ca eine halbe) und danach halt nur noch bei Bedarf oder wenn ich mir gezielt eine Auszeit nehmen wollte.

Wenn sich rausstellen sollte, dass das mit dem nicht schlafen können nicht in wenigen Tagen erledigt ist - werd ich das also wieder anfangen - und in der Hoffnung dass mit der Konsequenz nicht so nötig ist - einfach schon jetzt anfangen und schauen ob mit etwas mehr Ruhe abends - ich das vielleicht wieder in den Griff kriege.

Was sich die letzten Jahre gezeigt hat - unter 10 Stunden Schlaf bin ich kaum ansprechbar - idealerweise 12 Stunden - dann komm ich ganz gut über den Tag und es ist auch ok, wenn mal eine Nacht mit weniger dabei ist. Als Frühaufsteher bedeutet das - ca 20 Uhr Licht aus - also mit Lesen ab 18 oder 19 Uhr Richtung Bett um dann so um acht mit D. zu telefonieren und zwischen neun und zehn spätestens zu schlafen - da ich zur Zeit mit D eh nicht täglich telefoniere klappt das gut und ich kann morgens um acht raus.

Aber auch das hat sich die letzten 3 - 4 Wochen geändert - morgens wird es später - neun oder in den letzten Tagen auch mal zehn - sofern nicht irgendwo ein Termin ist.

Also wieder mehr Augenmerk drauf.

Trotzdem - ich fühl mich heute recht gut und auch verhältnismässig fit.

Freitag, 7. August 2009

Kurve gekriegt?

Die Thera heute war irritierend, gut, gefühlsbeladen und verwirrend - aber sie hinterlässt das Gefühl von "wieder auf dem Weg" - zumindest ein Anfang gemacht. Und das freut mich sehr.

Ich weiss ja, dass da Offenheit gefragt ist, der Thera nur reagieren kann, wenn er weiss was los ist - und auch - mir selbst gegenüber - das sich eingestehen, dass man sich grad irgendwie verrannt hat.

Der Anfang ist jedenfalls gemacht - und ich hoffe es geht nächste Woche so weiter.

Mein Job dabei:

1. mehr Ruhe, nicht so viel unterwegs - ausser den "Standardterminen" (also 2 x Thera, 1 x Tischlerei (Arbeitstherapie), 1 x Physio und die 3 Termine mit dem Betreuer) nichts (was nicht ganz geht - da nächste Woche ja noch der Hypnosetermin dazu kommt - doch das ist ok, dafür fällt ja Schwimmen weg)

2. zusätzliche Offenheit - sich selbst gegenüber und wenn ich merke es läuft was nicht so gut - dann eben auch überwinden und das per mail gleich dem Thera mitteilen (hat sich bisher immer bewährt in solchen Situationen)

3. bisschen genauer schauen was grad los ist, Sachen auch mal lieber liegen lassen und lieber etwas zu viel Ruhe als zu wenig. Inklusiver mehr Reflektieren was ich grad mache, denke, fühle und auf etwaige "Widersacher" achten - und mich selbst bremsen!

4. Plan für nächste Woche an Aufräumaktionen: die leeren Kartons zusammenstapeln und endlich mitgeben (dazu muss ich bei zweien noch ein paar Kleinigkeiten rausräumen) und evt noch Altpapier zusammenpacken und mehr nicht!

5. keine Spontanaktionen oder Besuche.

6. wieder bewußtere "Auszeit" - vor allem abends - auch wieder mit mehr Augenmerk auf Entspannungsübungen und "sich gutes tun" (und die Tiefkühle ist voll mit selbstgemachtem Eis - ziemlich kalorienarm - ausser dem Bananeneis - die anderen sind Frucht und Buttermilch oder Joghurt und wenig Zucker - bedeutet - kann ich essen bis zum Abwinken ohne schlechtem Gewissen)

und das muss reichen.

Ich muss es nur umsetzen - also Ärmel hoch und Ruhe geben! Denn wenn nicht brems ich mich selber aus und handel mir wieder einen größeren Schaden ein. Es ist sozusagen das ziehen der Notbremse.

Donnerstag, 6. August 2009

Festgefahren

Ist mir schon sehr lange nicht mehr passiert - ich hab mich festgefahren.

Schon die letzten zwei Wochen war ich halt viel unterwegs - deutlich mehr als sonst, merkte auch es ist zu viel, ich bräuchte mehr Zeit für mich (schon allein daran, dass ich - wenn ich mal zu Hause war - nichts auf die Reihe bekam als nur rumzuhängen) usw. Doch es hat sich so eingeschlichen.

Dabei kenn ich das doch von früher zur Genüge - das Weglaufen vor dem was eigentlich grad los ist - aktuell - das Weglaufen vor dem Hinschauen und vor allem dem Hinfühlen.

Wir arbeiten in der Thera grad an den Gefühlen, dem wahrnehmen, zulassen usw - das ist schwer -da es für mich mit Negativen gekoppelt ist - durfte es doch früher nie Gefühle geben - Gefühle waren gefährlich - sehr sogar.

Das neu zu lernen ist schwer - das Wahrnehmen klappt ja - aber das Zulassen nicht recht.

Und die letzten Wochen ging es genau darum - wie ich dachte erfolgreich. Zwei der Freitags-Termine waren gefüllt mit Gefühlen - beim letzten war es dann die Sehnsucht und da bin ich auch an meine Grenzen gestoßen - denn sie war so intensiv - und irgendwie ja auch klar, dass sich daran auch heute noch nichts geändert hat - denn die Sehnsucht ist auf jemand gerichtet und es gibt auch heute noch niemanden - dazu fehlen einfach ein paar Grundbausteine - ich könnte es ja gar nicht zulassen. Und das tut weh - sehr.

Dann war der Thera im Urlaub - die Vertretung ist klasse - aber halt wieder mehr in der "Theorie" - klar - mehr kann er nicht machen in zwei Terminen - es ging eh etwas darüber hinaus.

Und jetzt häng ich wieder in der Theorie fest - ich kann drüber reden, kann es analysieren, sehr das Problem usw - nur komm ich nicht ins handeln - immer wenn es kurz davor ist - flüchte ich wieder in blinden Aktivismus. Das krieg ich mit - werd dann wütend - was ja wieder ein Gefühl ist - und nicht sein darf und ich mach wieder irgendwas Sinnloses - nur zum Ablenken um mich dem nicht stellen zu müssen.

Da bin ich wieder mal festgefahren - der Druck in mir wird größer, ich krieg immer weniger hin im Alltag - ohne dass ich sagen könnte "geht mir nicht gut" - denn eigentlich geht es grad "gar nicht" - ich lebe so in den Tag hinein - und damit geht es mir ganz gut.

Vordergründig - denn gleichzeitig wird der Druck mehr, das Abschalten anstrengender und kraftraubender (und davon hab ich eh grad nicht so viel) und meine Unzufriedenheit mit mir und er Welt mehr.

Der Versuch da selbst ein "Stopp" zu setzen misslang - also werd ich morgen wieder mal versuchen mit dem Thera da rauszukommen - und zwar mehr über das handeln, das tun und nicht das "drüber reden" - und hoffen, dass er mitmacht und ihm was einfällt dazu (meist ist er da ja sehr erfindungsreich - Gott sei Dank)

Und ich hab die Hoffnung - wenn ich da wieder etwas mehr Spiel habe und wieder "in Bewegung" komme - klappt es auch mit dem Haushalt und Co wieder besser - und auch das Balance halten zwischen Aktivität und sich Ruhe gönnen. Wird höchste Zeit.

Ärgerlich find ich auch - das mir das immer erst so spät klar wird - das Stopp hätte schon längst passiert sein müssen - aber nein - ich muss ja immer so lange weitermachen und "rumprobieren" bis einfach kaum noch Reserve da ist (ok aktuell fahr ich noch mit dem Normaltank - nicht Reserve - trotzdem geht der langsam zur Neige)

Und warum dauert es fast 3 Wochen bis ich das wirklich mitkriege? Ist ja nun wirklich nicht neu, war früher mein Alltag - und ist heute - Gott sei Dank - nicht mehr so oft - dennoch - fiel es mir diesmal wirklich deutlich später auf als sonst - das macht mich nachdenklich.

Dennoch - der erste Schritt ist getan - das Eingestehen: "ich krieg das grad allein nicht hin" - und ich hab ja Gott sei Dank Hilfe - ich muss nur drum bitten (und das fällt auch heute schon deutlich leichter als noch vor ein paar Jahren) - das ist doch positiv.

Dienstag, 4. August 2009

Warum ..

... schreib ich das alles hier.

Die Erfahrungen zeigen, sobald ich sag(t)e, ich sei psychisch krank - gehen die Menschen auf Abstand. Sie wissen das nicht einzuordnen, mit umzugehen, es bereitet auch Unbehagen und macht manchmal sogar Angst.

Wenn ich jemand kennenlerne - sei es in einem Chor oder ähnlichen - kommt bald die Frage "was machst du denn beruflich so?"

Früher hab ich mich rausgeredet mit "früher hab ich als .... gearbeitet" usw. Denn zu sagen "ich bin Frührentnerin" irritierte nur - viele trauten sich nicht mal nachzufragen (abgesehen von den "wie hast du denn das hinbekommen?-Fragen mit dem Tonfall von "super - verrate mir den Trick bitte").

Dann hab ich mich hinter den körperlichen Erkrankungen "versteckt" - denn zu sagen "ich bin wegen psychischer Erkrankung in Frührente" treibt die Leute in der Regel in die Flucht.

Ich will offener damit umgehen und auch zeigen: nur weil ich psychisch krank bin, werde ich weder gleich meuchelnd durch die Gegend springen, noch darf mein Gegenüber nicht sagen was er/sie will (im Sinne von Verrückten soll man immer Recht geben).

Ich bin ein Mensch, mit Einschränkungen und Grenzen wie jeder andere auch - ich muss sicher mehr drauf achten, dass ich mich nicht überfordere, doch das ist MEIN Job - nicht der meines Gegenübers. Genauso wie ich von jedem anderen erwarte, dass er auf seine Grenzen achtet und sie mitteilt wenn ich tollpatschig drüberlatsche.

Dennoch - psychisch Kranke werden oft ausgegrenzt - und ich möchte hier meine Erfahrungen aufschreiben - um vielleicht den einen oder anderen auch mal zum Nachfragen anzuregen, wenn er/sie auf jemand trifft, der angeschlagen oder in ein psychisches Tief gerutscht ist - denn das kann jedem von uns passieren.

Wer

Ich heiße Ilana, bin 36 Jahre alt - und psychisch krank.

Das einzugestehen bedeutet in unserer Gesellschaft sich auszugrenzen. Sie packt einen in eine Schublade, die Leute reagieren vorsichtig bis abweisend.

Es ist schwierig Kontakte zu knüpfen - denn ich habe weder Familie noch Karriere vorzuweisen - und dennoch weigere ich mich, mich in irgendwelche Schubladen packen zu lassen.

Lange Zeit hab ich versucht die psychische Seite zu verstecken - das ging so weit, dass ich mich selbst vor der Welt versteckte.

Heute will ich mich nicht mehr verstecken und hier soll es um meine Erfahrungen gehen - als psychisch Kranke (die dazu steht) in unserer Gesellschaft.

Diagnosen

psychisch:
- schwere Posttraumatische Belastungsstörung mit
- Angst- und Panikstörung mit
- Sozialphobie
- dissoziative Zustände (wobei das heute - Gott sei Dank - nur noch selten auftritt) mit
- selbstverletzendem Verhalten (das hoffentlich für immer der Vergangenheit angehört)

körperlich:
- Fibromyalgie
- Arthrose in mehreren Gelenken (vor allem Knie)
- chron. Sehnenscheidenentzündung beider Handgelenke
(alle drei vermutlich im Zusammenhang mit der Hypermobilität der Gelenke)
- Schilddrüssenunterfunktion
- Restless-Legs-Syndrom
- chron. Harnwegsinfektionen, die häufig in Nierenbeckenentzündungen enden


Aufgrund der Diagnosen beziehe ich Erwerbsunfähigkeitsrente und haben einen Schwerbehindertenausweis mit 80 % und Merkzeichen RF.

Da ich keine Minute ohne Schmerzen lebe, hab ich auch eine eigene Schmerzskala - die findet man hier: Schmerzskala und Bedeutung